Eigenkapitalrendite (ROE) berechnen: Formel, Benchmarks und Optimierung
Beherrsche ROE-Berechnungen, verstehe die DuPont-Analyse, optimiere die Eigenkapitalrendite für inhabergeführte deutsche Unternehmen und vergleiche mit Konkurrenten.
Als deutscher KMU-Inhaber hast du dein eigenes Kapital investiert – deine Ersparnisse, dein Risiko. Return on Equity (ROE) misst, wie effizient dein Unternehmen diese persönliche Investition in Gewinn umwandelt. Ein ROE von 15% bedeutet, dass du 15 Cent Gewinn pro Euro deines eigenen investierten Geldes verdienst. Für inhabergeführte GmbH-Unternehmen ist der ROE die Kennzahl, die bestimmt, ob dein Kapital für dich arbeitet.
Was ist Return on Equity (ROE)?
ROE misst die Effizienz des Eigenkapitals (Inhaberkapital) bei der Gewinnerzielung. Er ist die prozentuale Rendite auf den Anteil des Inhabers am Unternehmen.
Im Gegensatz zum ROI (der die Rendite einer bestimmten Investition misst) oder EBITDA (das den operativen Gewinn misst), geht es beim ROE speziell um Eigenkapitalrenditen. Er beantwortet die Frage: „Wie gut ist mein persönliches Kapital in diesem Unternehmen investiert?“
Für deutsche Inhaber ist der ROE entscheidend, weil er die Entscheidung beeinflusst, im Geschäft zu bleiben, Gewinne zu reinvestieren oder zu verkaufen. Wenn deine GmbH 3% ROE erwirtschaftet, würde dein Kapital auf einem Bankkonto mehr verdienen (ohne Risiko).
Die Return-on-Equity-Formel (ROE)
ROE = (Jahresüberschuss / Eigenkapital) x 100%
Wobei: - Jahresüberschuss = Gewinn nach allen Kosten, Zinsen und Steuern (aus der GuV) - Eigenkapital = Inhaberkapital im Unternehmen (aus der Bilanz)
In der deutschen Buchhaltung (HGB): - Gewinn im Jahresabschluss = Jahresüberschuss - Eigenkapital = Eigenkapital (einschließlich Kapitaleinlagen, einbehaltener Gewinne und Rücklagen)
Beispiel: Eine deutsche GmbH hat 500.000 Euro Eigenkapital und erwirtschaftet 75.000 Euro Jahresüberschuss. ROE = (75.000 Euro / 500.000 Euro) x 100% = 15%.
Kontext der deutschen Bilanz
In der deutschen HGB-Buchhaltung erscheint Eigenkapital in der Bilanz als Differenz zwischen Aktiva (Vermögenswerten) und Passiva (Verbindlichkeiten). Es umfasst: gezeichnetes Kapital, Kapitalrücklagen, Gewinnrücklagen und kumulierte Gewinne/Verluste.
ROE vs. ROA vs. ROIC: Verwandte Kennzahlen verstehen
| Kennzahl | Formel | Misst | Verwendet für | Hauptunterschied |
|---|---|---|---|---|
| ROE (Eigenkapitalrendite) | Jahresüberschuss / Eigenkapital | Effizienz des Inhaberkapitals | Rendite der Eigenkapitalgeber | Beinhaltet Leverage-Effekt |
| ROA (Gesamtkapitalrendite) | Jahresüberschuss / Gesamtvermögen | Effizienz des Gesamtkapitals | Operative Effektivität | Ignoriert Finanzierungsart |
| ROIC (Return on Invested Capital) | NOPAT / Investiertes Kapital | Effizienz von Fremd- + Eigenkapital | Langfristige Wertschöpfung | Am besten zum Vergleich von Firmen mit unterschiedlichem Leverage |
| ROS (Umsatzrendite) | Jahresüberschuss / Umsatz | Gewinnmarge | Preissetzungsmacht, Kostenkontrolle | Ignoriert Kapitaleffizienz |
Der ROE ist am relevantesten für inhabergeführte Unternehmen (GmbH, Einzelunternehmen). Er zeigt, ob dein persönliches Kapital eine angemessene Rendite erzielt. Wenn der ROE niedriger ist als deine Kapitalkosten, solltest du das Unternehmen verlassen.
Die DuPont-Analyse: ROE-Komponenten verstehen
Der ROE kann in drei Komponenten zerlegt werden – mit der DuPont-Analyse, die genau zeigt, wie der ROE entsteht.
ROE = Gewinnmarge x Kapitalumschlag x Eigenkapitalmultiplikator ROE = (Jahresüberschuss / Umsatz) x (Umsatz / Gesamtvermögen) x (Gesamtvermögen / Eigenkapital)
| DuPont-Komponente | Was sie misst | Formel | Auf Deutsch | Was bedeutet das? |
|---|---|---|---|---|
| Gewinnmarge | Wie viel Gewinn pro Euro Umsatz | Jahresüberschuss / Umsatz | Netto-Gewinnmarge | Preissetzungsmacht und Kostenkontrolle |
| Kapitalumschlag | Wie effizient Vermögen Umsatz generiert | Umsatz / Gesamtvermögen | Kapitalumschlag | Wie hart Vermögenswerte arbeiten (Lagerumschlag, Forderungseinzug) |
| Eigenkapitalmultiplikator | Finanzieller Hebel (Fremd-/Eigenkapitalverhältnis) | Gesamtvermögen / Eigenkapital | Verschuldungsgrad | Wie viel Fremdkapital die Vermögenswerte finanziert |
Beispiel: Zwei deutsche GmbHs erzielen beide 15% ROE, aber auf unterschiedlichen Wegen: Unternehmen A (Effiziente Produktion): - Gewinnmarge: 10% - Kapitalumschlag: 2,0x - Eigenkapitalmultiplikator: 0,75 (hauptsächlich Eigenkapital, wenig Schulden) - ROE = 10% x 2,0 x 0,75 = 15% Unternehmen B (Gehebeltes Geschäft): - Gewinnmarge: 3% - Kapitalumschlag: 1,5x - Eigenkapitalmultiplikator: 3,33 (hoher Hebel, viele Schulden) - ROE = 3% x 1,5 x 3,33 = 15% Beide haben 15% ROE, aber Unternehmen A ist stabiler (geringeres Schuldenrisiko).
ROE-Berechnung in der Praxis: Beispiel einer deutschen GmbH
Mittelständische GmbH in der Produktion (Maschinenbau) Aus der GuV (Gewinn- und Verlustrechnung):
| Position | Betrag Euro |
|---|---|
| Umsatz | 6.400.000 Euro |
| Herstellungskosten & Betriebsaufwendungen | -5.632.000 Euro |
| EBIT (vor Zinsen & Steuern) | 768.000 Euro |
| Zinsaufwand | -64.000 Euro |
| EBT (vor Steuern) | 704.000 Euro |
| Steuern (Körperschaft- + Gewerbesteuer) | -246.400 Euro |
| JAHRESÜBERSCHUSS | 457.600 Euro |
Aus der Bilanz:
| Position | Betrag Euro |
|---|---|
| Gesamtvermögen | 3.200.000 Euro |
| Anlagevermögen (Maschinen, Gebäude) | 2.000.000 Euro |
| Umlaufvermögen (Lager, Forderungen, Barmittel) | 1.200.000 Euro |
| Gesamtverbindlichkeiten | 1.600.000 Euro |
| Langfristige Schulden | 800.000 Euro |
| Kurzfristige Verbindlichkeiten | 800.000 Euro |
| EIGENKAPITAL | 1.600.000 Euro |
| Gezeichnetes Kapital | 500.000 Euro |
| Gewinnrücklagen & Rücklagen | 1.100.000 Euro |
ROE-Berechnung: ROE = (457.600 Euro / 1.600.000 Euro) x 100% = 28,6%
DuPont-Aufschlüsselung: - Gewinnmarge: 457.600 Euro / 6.400.000 Euro = 7,15% - Kapitalumschlag: 6.400.000 Euro / 3.200.000 Euro = 2,0x - Eigenkapitalmultiplikator: 3.200.000 Euro / 1.600.000 Euro = 2,0x (50% Fremdkapital, 50% Eigenkapital) - ROE-Prüfung: 7,15% x 2,0 x 2,0 = 28,6% ✓
Bewertung
28,6% ROE ist hervorragend für ein produzierendes Unternehmen. Das Unternehmen generiert sehr starke Renditen auf das Eigenkapital. Zum Vergleich: Große DAX-Unternehmen zielen typischerweise auf 12-15% ROE. Dieses Mittelstandsunternehmen übertrifft diesen Wert deutlich.
ROE-Benchmarks für deutsche GmbH-Unternehmen
| Unternehmenstyp / Branche | Typischer ROE-Bereich | Guter ROE | Was bestimmt den ROE |
|---|---|---|---|
| Margenstarke SaaS / Software | 40-80% | 50%+ | Hohe Marge, geringer Kapitalbedarf |
| Professionelle Dienstleistungen (Beratung) | 25-50% | 35%+ | Hohe Marge, vermögensschwach |
| Produktion (Mittelstand) | 12-25% | 18%+ | Moderate Marge, kapitalintensiv |
| B2B-Dienstleistungen | 15-30% | 20%+ | Gute Margen, moderates Kapital |
| E-Commerce / Einzelhandel | 8-18% | 12%+ | Niedrige Margen, Working-Capital-intensiv |
| Baugewerbe / Handwerk | 15-28% | 20%+ | Arbeitsintensiv, wenig Kapital |
| Distribution / Großhandel | 5-15% | 10%+ | Dünne Margen, hoher Hebel |
| Familienunternehmen (reif, stabil) | 10-20% | 15%+ | Oft geringerer Hebel, einbehaltene Gewinne |
| Wachstums-KMU (reinvestierend) | 5-15% | 10%+ | Gewinne reinvestiert, niedrigere Dividende |
| In Schwierigkeiten / angeschlagen | <5% | N/A | Niedrige oder negative Renditen |
Deutsche Mittelstandsunternehmen mit 15-20% ROE performen gut. Ein ROE unter 10% deutet entweder auf geringe Rentabilität oder auf überschüssiges Kapital im Verhältnis zu den Erträgen hin.
Wie Leverage den ROE beeinflusst
Finanzieller Hebel (Fremdkapital) verstärkt den ROE, wenn das Geschäft profitabel ist, erhöht aber das Risiko. Das zu verstehen ist entscheidend.
Gleiches Geschäft, unterschiedliche Kapitalstrukturen:
| Szenario | Jahresüberschuss | Eigenkapital | Fremdkapital | Zinskosten | ROE | Risiko |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Kein Hebel (100% Eigenkapital) | 100.000 Euro | 1.000.000 Euro | 0 Euro | 0 Euro | 10% | Niedrig |
| Moderater Hebel (50/50) | 90.000 Euro* | 500.000 Euro | 500.000 Euro | 10.000 Euro | 18% | Moderat |
| Hoher Hebel (25/75) | 80.000 Euro* | 250.000 Euro | 750.000 Euro | 20.000 Euro | 32% | Hoch |
| Extremer Hebel (10/90) | 70.000 Euro* | 100.000 Euro | 900.000 Euro | 30.000 Euro | 70% | Sehr hoch |
*Der Jahresüberschuss sinkt mit dem Hebel aufgrund von Zinsaufwendungen. Die Eigenkapitalrenditen steigen dramatisch, aber das Risiko steigt auch. Deshalb zeigen einige hochverschuldete deutsche KMU erstaunliche ROE-Zahlen. Aber wenn etwas schiefgeht (Rezession, Kundenverlust), ist das gehebelte Unternehmen in Schwierigkeiten.
Leverage ist ein zweischneidiges Schwert
Hoher ROE durch Leverage ist verlockend, aber deutsche KMU sollten vorsichtig sein. Banken stellen Fremdkapital bereit, und Zinsen müssen unabhängig von der Rentabilität gezahlt werden. Eine Rezession, die den Gewinn um 30% reduziert, kann den ROE vollständig aufzehren, wenn du hoch verschuldet bist. Die meisten deutschen Mittelstandsunternehmen streben für Stabilität eine Fremdkapitalquote von 40-60% an.
Was ist ein „guter“ ROE für eine deutsche GmbH?
Der ROE sollte deine Kapitalkosten plus eine Risikoprämie übersteigen.
Typische deutsche KMU-Kapitalkosten: - Risikoloser Zinssatz (deutsche Bundesanleihen-Rendite): 2-3% - Aktienrisikoprämie: 5-7% (zusätzliche Rendite für Aktienmarktrisiko) - KMU-Risikoprämie: 3-5% (zusätzliches Risiko gegenüber dem Aktienmarkt) - Insgesamt erforderliche Rendite: 10-15%
Faustregel: - ROE < 10%: Unter den Kapitalkosten. Das Kapital arbeitet nicht hart genug. Ziehe einen Ausstieg oder eine Restrukturierung in Betracht - ROE 10-15%: Kaum akzeptabel. Verdient die erforderliche Rendite, bietet aber wenig Spielraum für Fehler - ROE 15-25%: Gut. Verdient eine angemessene Rendite für ein profitables Unternehmen - ROE 25%+: Hervorragend. Verdient überlegene Renditen (oder nutzt erheblichen Leverage)
ROE für inhabergeführte Unternehmen (Geschäftsführer-GmbH)
Viele deutsche KMU haben einen Inhaber, der auch Geschäftsführer ist. In diesen Fällen muss die ROE-Berechnung angepasst werden.
Problem: Der Geschäftsführer bezieht ein Gehalt (Geschäftsführungsvergütung). Dies wird als Betriebsaufwand abgezogen, bevor der Jahresüberschuss berechnet wird. Daher fällt der ROE im Verhältnis zur gesamten Inhaberrendite zu niedrig aus.
Angepasster ROE für Inhaber-Manager: Gesamte Inhaberrendite = (Jahresüberschuss + Inhabergehalt - Marktgehalt) / Eigenkapital x 100%
Beispiel: Inhabergeführte GmbH - Jahresüberschuss: 100.000 Euro - Gezahltes Inhabergehalt: 80.000 Euro - Marktgehalt für vergleichbare Position: 65.000 Euro - Überschussvergütung: 15.000 Euro - Eigenkapital: 600.000 Euro Ausgewiesener ROE = 100.000 Euro / 600.000 Euro = 16,7% Angepasster ROE = (100.000 Euro + 80.000 Euro - 65.000 Euro) / 600.000 Euro = 115.000 Euro / 600.000 Euro = 19,2% Die wahre Rendite des Inhabers beträgt 19,2% (einschließlich Vergütung), nicht 16,7%.
Warum das für die Exit-Planung wichtig ist
Beim Verkauf deiner inhabergeführten GmbH zahlen Käufer auf Basis normalisierter Erträge (unter der Annahme eines Ersatz-Geschäftsführergehalts). Deine persönliche Vergütung wird von der wahren Geschäftsrentabilität getrennt. Das Verständnis des angepassten ROE hilft, das Unternehmen korrekt zu bewerten.
Zusammenhang mit Gewinnthesaurierung und Ausschüttung
Als deutscher GmbH-Inhaber entscheidest du, ob du Gewinne im Unternehmen einbehältst (Thesaurierung) oder an dich ausschüttest (Ausschüttung / Dividende).
Dies beeinflusst den ROE, weil: - Hohe Einbehaltung: Eigenkapital wächst, ROE kann sinken (wenn reinvestiertes Kapital weniger als die Mindestverzinsung verdient) - Hohe Ausschüttung: Eigenkapital schrumpft, ROE steigt (höherer Gewinn / niedrigeres Eigenkapital)
Beispiel: Szenario A: Gewinne einbehalten - Jahr 1 Gewinn: 100.000 Euro, Dividende 0 Euro, Eigenkapital wächst auf 1.100.000 Euro - Jahr 2 Gewinn: 110.000 Euro (10% Wachstum), Dividende 0 Euro - Kumuliertes Eigenkapital: 1.210.000 Euro - Durchschnittlicher ROE: (100 Tsd. + 110 Tsd. Euro) / 1.155.000 = 9,1% Szenario B: Gewinne ausschütten - Jahr 1 Gewinn: 100.000 Euro, Dividende 100.000 Euro, Eigenkapital bleibt 1.000.000 Euro - Jahr 2 Gewinn: 100.000 Euro (0% Wachstum durch Reinvestition), Dividende 100.000 Euro - Durchschnittliches Eigenkapital: 1.000.000 Euro - Durchschnittlicher ROE: 100.000 / 1.000.000 = 10% Wenn Reinvestitionen keine guten Renditen erzielen, führen die Ausschüttung von Dividenden und ein stabiles Eigenkapital zu einem besseren ROE.
Strategien zur Verbesserung des ROE
Strategie 1: Gewinnmarge verbessern (DuPont: Gewinnmargen-Komponente)
Jede Verbesserung der Gewinnmarge um 1 Prozentpunkt (durch Preiserhöhungen, Kostensenkung oder einen besseren Produktmix) verbessert direkt den ROE.
Ein Unternehmen mit 10% Marge und 20% ROE kann sich auf 11% Marge und 22% ROE verbessern, indem es Preisgestaltung oder Effizienz verbessert.
Strategie 2: Kapitalumschlag verbessern (DuPont: Kapitalumschlags-Komponente)
Schnellerer Lagerumschlag, besserer Forderungseinzug und volle Kapazitätsauslastung verbessern den Kapitalumschlag und den ROE.
Beispiel: Kapitalumschlag von 1,5x auf 1,8x verbessern (durch besseres Bestandsmanagement). Der ROE steigt proportional, ohne dass sich die Gewinnmarge ändert.
Strategie 3: Leverage optimieren (DuPont: Eigenkapitalmultiplikator-Komponente)
Eine Erhöhung des Leverage (Fremdkapital relativ zum Eigenkapital) erhöht den ROE, aber auch das Risiko. Deutsche KMU sollten hier strategisch vorgehen.
Wenn dein ROIC (Rendite auf Gesamtkapital) deine Fremdkapitalkosten übersteigt, verbessert die Aufnahme von mehr Schulden den ROE. Das erfordert aber einen stabilen Cashflow.
Strategie 4: Überschüssiges Eigenkapital ausschütten
Wenn dein Unternehmen überschüssiges Eigenkapital hat (mehr Kapital, als zum Betrieb des Unternehmens benötigt wird), schütte es aus. Eine niedrigere Eigenkapitalbasis bei gleichem Gewinn = höherer ROE.
Beispiel: Ein Unternehmen verdient 100 Tsd. Euro Gewinn, hat 2 Mio. Euro Eigenkapital (braucht nur 1 Mio. Euro zum Betrieb). Schütte 1 Mio. Euro Dividende aus. Eigenkapital sinkt auf 1 Mio. Euro. Der ROE verbessert sich von 5% auf 10%.
ROE-Vergleich: Deutsche GmbH vs. Wettbewerber
Um deinen ROE mit Wettbewerbern zu vergleichen, brauchst du Zugang zu vergleichbaren Unternehmensabschlüssen.
- Bundesanzeiger (bundesanzeiger.de): Veröffentlicht GmbH-Jahresabschlüsse für einige Unternehmen (kostenlose Online-Suche verfügbar)
- IHK/HwK-Statistiken: Branchen-ROE-Benchmarks nach Region
- Dun & Bradstreet Reports: Abo-Service mit detaillierten Finanzkennzahlen nach Branche
- Branchenverbände: Viele bieten Mitglieder-Benchmarking
- Peer-Netzwerkgruppen: Inhabergruppen im Mittelstand (Unternehmer-Netzwerke) tauschen vertraulich Benchmarking-Daten aus
Vergleiche deinen ROE mit Wettbewerbern in der gleichen Branche und Größe. Ein ROE von 15% ist hervorragend für die Produktion, aber schwach für SaaS.
ROE-Vergleich aus der Praxis: Deutsche Produktions-GmbH und Dienstleistungsunternehmen
| Kennzahl | Produktions-GmbH | Dienstleistungs-GmbH | Warum unterschiedlich? |
|---|---|---|---|
| Umsatz | 8.000.000 Euro | 3.000.000 Euro | Produktion im größeren Maßstab |
| Jahresüberschuss | 400.000 Euro | 300.000 Euro | Dienstleistung hat höhere Marge |
| Gesamtvermögen | 3.000.000 Euro | 800.000 Euro | Produktion kapitalintensiv |
| Eigenkapital | 1.500.000 Euro | 400.000 Euro | Dienstleistung braucht weniger Kapital |
| ROE | 26,7% | 75% | Dienstleistung ist kapitaleffizienter |
| Gewinnmarge | 5% | 10% | Dienstleistung bessere Marge |
| Kapitalumschlag | 2,67x | 3,75x | Dienstleistung schlägt Vermögen schneller um |
| Eigenkapitalmultiplikator | 2,0x | 2,0x | Gleicher Leverage |
Der ROE von 75% des Dienstleistungsunternehmens sieht viel besser aus als die 27% der Produktion, aber beide sind in ihren jeweiligen Branchen gesund. Das Dienstleistungsunternehmen ist kapitaleffizienter (vermögensschwach), daher erzielt das Eigenkapital höhere Renditen.
ROE und Unternehmensbewertung
Beim Kauf oder Verkauf eines deutschen Unternehmens beeinflusst der ROE die Bewertung indirekt:
Unternehmen mit hohem ROE erzielen höhere Bewertungsmultiplikatoren, weil: - Gewinn stabil und nachhaltig ist - Kapitalrenditen stark sind - Wachstumsaussichten möglicherweise stark sind - Käufer durch Leverage oder operative Verbesserung Wert heben können
Unternehmen mit niedrigem ROE werden zu niedrigeren Multiplikatoren gehandelt, weil: - Kapital ineffizient eingesetzt wird - Verschlechterungsrisiko höher ist - Working-Capital-Management möglicherweise schlecht ist - Eine erhebliche Restrukturierung nötig ist, um akzeptable Renditen zu erzielen
Die Verbesserung des ROE 2-3 Jahre vor dem Verkauf kann die Bewertung um 10-20% erhöhen.
ROE verfolgen und überwachen
Anspruchsvolle deutsche KMU verfolgen den ROE und seine Komponenten vierteljährlich:
- YTD-ROE: Berechne den ROE seit Jahresbeginn (Year-to-Date). Wie liegen wir im Vergleich zum Ziel?
- Gewinnmargen-Trend: Ist die Marge stabil? Verbessert sie sich? Steht sie unter Druck?
- Kapitalumschlags-Trend: Nutzen wir das Kapital effizienter?
- Eigenkapitalveränderung: Wächst es durch einbehaltene Gewinne? Schrumpft es durch Ausschüttungen?
- Peer-Vergleich: Wie liegt unser ROE im Verhältnis zum Branchenbenchmark?
Eine vierteljährliche ROE-Überprüfung hilft dir, Probleme früh zu erkennen. Ein plötzlicher ROE-Rückgang signalisiert entweder Margenkompression (Problem!) oder überschüssigen Eigenkapitalaufbau (Gelegenheit zur Ausschüttung).
Wichtige Erkenntnisse
- ROE = (Jahresüberschuss / Eigenkapital) x 100%. Er misst die Effizienz des Inhaberkapitals bei der Gewinnerzielung
- DuPont zerlegt den ROE in 3 Komponenten: Gewinnmarge (Preisgestaltung/Kosten), Kapitalumschlag (Kapitaleffizienz), Eigenkapitalmultiplikator (Leverage)
- Typischer guter ROE für deutsche KMU: 15-25% für Produktion, 25-50% für Dienstleistungen, abhängig von Branche und Leverage
- ROE < 10%: Dein Kapital verdient nicht die erforderliche Rendite. Ziehe eine Restrukturierung oder einen Exit in Betracht
- Leverage verstärkt den ROE: Hohe Schulden erhöhen den ROE, aber auch das Risiko. Deutsche KMU streben typischerweise eine Fremdkapitalquote von 40-60% an
- Für Inhaber-Manager: Passe den ROE an, um das Gehalt im Vergleich zum Marktgehalt zu berücksichtigen und die wahren Renditen zu sehen
- Verbessere den ROE durch: Bessere Gewinnmargen, schnellere Kapitalumschläge oder optimierten Leverage
- Hoher ROE ermöglicht: Besseren Kapitalzugang, höhere Unternehmensbewertung, Fähigkeit zur nachhaltigen Dividendenausschüttung
- Vierteljährlich verfolgen: ROE-Änderungen signalisieren entweder operative Probleme oder Kapitalstruktur-Chancen
Deine Aufgabe diese Woche
Berechne den ROE deines Unternehmens für die letzten 3 Jahre. Zerlege ihn mit der DuPont-Analyse, um zu identifizieren, welche Komponente (Marge, Kapitalumschlag oder Leverage) der Engpass ist. Wenn der ROE unter 15% liegt, versuche, die wirkungsvollste Komponente dieses Jahr um 1-2% zu verbessern. Liegt der ROE bei 15-25%, bist du in guter Verfassung – konzentriere dich darauf, Marge und Kapitaleffizienz zu halten. Liegt der ROE über 25%, erzielst du überlegene Renditen: Überlege, überschüssiges Kapital auszuschütten oder in Wachstum zu investieren.
Kennzahlen in diesem Artikel
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