Leasing vs. Kauf für KMU: Wann sich welche Option rechnet
Vergleiche Operating Leases und Finance Leases nach IFRS 16, analysiere die Steuerbehandlung und finde heraus, wann Leasing oder Kauf für deutsche KMU die bessere Wahl ist.
Die Entscheidung zwischen Leasing und Kauf gehört zu den wichtigsten finanziellen Entscheidungen deutscher KMU. Sie beeinflusst nicht nur den Cashflow, sondern auch die Bilanzstruktur, die Steuerlast und die strategische Flexibilität.
Mit IFRS 16 und den HGB-Reformen, die ändern, wie Leasing bilanziert wird, überdenken viele Geschäftsführer Strategien, die sie seit Jahrzehnten verwenden. Dieser Leitfaden schlüsselt die finanzielle und operative Entscheidungsmatrix für deutsche Unternehmen auf.
Operating Lease vs. Finance Lease: Was änderte sich mit IFRS 16?
Vor 2019 waren Operating Leases oft nicht in der Bilanz sichtbar. Unter dem alten Rechnungslegungsstandard (IAS 17) erschienen Operating Leases nur als Angaben im Anhang. IFRS 16, wirksam ab Januar 2019, änderte dies dramatisch.
Auswirkungen von IFRS 16 auf Bilanzen
Unter IFRS 16 erscheinen die meisten Leasingverträge (sowohl Operating als auch Finance) jetzt in der Bilanz als Nutzungsrechte (Right-of-Use, ROU) Assets und entsprechende Leasingverbindlichkeiten. Dies änderte grundlegend, wie KMU die Leasingentscheidung bewerten.
| Aspekt | Vor IFRS 16 (IAS 17) | Nach IFRS 16 |
|---|---|---|
| Bilanzauswirkung | Operating Leases meist nicht in der Bilanz sichtbar | Alle Leasingverträge (außer kurzfristige) in der Bilanz |
| Ausgewiesene Vermögenswerte | Kein ROU-Asset für Operating Leases | ROU-Asset wird erfasst |
| Ausgewiesene Verbindlichkeiten | Nur Verbindlichkeit aus Finance Lease ausgewiesen | Leasingverbindlichkeit für die meisten Leasingverträge |
| Gewinn- und Verlustrechnung | Leasingaufwand als Miete | Abschreibung + Zinsaufwand |
| Einfluss auf Kennzahlen | Verschuldungsgrad besser (versteckte Verbindlichkeiten) | Verschuldungsgrad verschlechtert sich (Verbindlichkeiten sichtbar) |
Für deutsche Unternehmen wurde das HGB (Handelsgesetzbuch) aktualisiert, um mit den Prinzipien von IFRS 16 übereinzustimmen. Dies bedeutet, dass sowohl börsennotierte als auch einige private Unternehmen Operating Leases jetzt in der Bilanz ausweisen müssen.
Steuerbehandlung unter deutschem Recht (HGB/EStG)
Während IFRS 16 die Bilanzierung änderte, ist das deutsche Steuerrecht davon getrennt zu betrachten. Das Verständnis der Steuerauswirkungen ist entscheidend für die Entscheidungsfindung im KMU.
Operating Lease: Steuerliche Vorteile
Monatliche oder jährliche Leasingraten sind als Betriebsausgaben nach deutschem Steuerrecht (§4 EStG, §8 KStG) abzugsfähig. Der Leasinggeber bleibt Eigentümer und macht die Abschreibungen geltend. Für den Leasingnehmer gibt es kein abschreibungsfähiges Vermögen, nur den Betriebsausgabenabzug.
Beispiel: Eine Zahnarztpraxis least Geräte für 500 €/Monat. Die vollen 6.000 €/Jahr sind abzugsfähig. Kein Abschreibungsplan, keine Sorgen um den Restwert. Einfach und steuereffizient.
Finance Lease: Abschreibungsroute
Ein Finance Lease wird für Steuerzwecke wie Eigentum behandelt. Das Unternehmen aktiviert den Vermögensgegenstand und macht Absetzung für Abnutzung (AfA – Abschreibung) geltend. Leasingzinsen sind abzugsfähig, die Tilgung aber nicht.
Beispiel: Kauf von Geräten für 50.000 € über einen 5-jährigen Finance Lease. Jahr 1: Aktiviere 50.000 €, setze 10.000 € Abschreibung + den Zinsanteil der Leasingzahlung an. Die Mathematik ist komplex, aber die Gesamtabzugsfähigkeit ist oft ähnlich.
Steuervergleich im Überblick
| Faktor | Operating Lease | Finance Lease / Kauf |
|---|---|---|
| Voller Betriebsausgabenabzug | Ja, sofort | Nein, nur Abschreibung + Zinsen |
| Abschreibung | Keine (Leasinggeber macht sie geltend) | Leasingnehmer macht sie geltend (3–20 Jahre) |
| Eigentum | Leasinggeber | Leasingnehmer |
| Restwertrisiko | Risiko des Leasinggebers | Risiko des Leasingnehmers |
| Vorzeitige Beendigung | Flexibel (geringe Strafen) | Kapitalverlust, wenn nicht abgeschrieben |
Bilanzauswirkung: Off-Balance-Sheet-Finanzierung
Unter dem alten System wurden Operating Leases als „Off-Balance-Sheet“-Strategie genutzt. Unternehmen leasten Vermögensgegenstände, um Verbindlichkeiten und Verschuldungsgrad künstlich niedrig zu halten.
IFRS 16 machte dies unmöglich. Jetzt erscheinen die meisten Operating Leases als Verbindlichkeiten in der Bilanz, was Schlüsselkennzahlen beeinflusst:
- Verhältnis von Schulden zu Eigenkapital: steigt, wenn Operating Leases als Verbindlichkeiten erscheinen
- Vermögensumschlag: Kann sinken, wenn das ROU-Vermögen größer ausfällt als erwartet
- Auswirkung auf das EBITDA: Ändert, wie Kreditvereinbarungen (Covenants) berechnet werden (das EBITDA enthält keine Abschreibungen)
- Verschuldungskennzahlen: Schlechter für Finanzierungszwecke (Banken sehen einen höheren Verschuldungsgrad)
Dies hat KMU gezwungen, ihre Leasingstrategie neu zu bewerten. Wenn die Bilanzauswirkung erheblich ist, kann der Kauf (und die Finanzierung mit Schulden) dem Leasing vorzuziehen sein.
Break-Even-Analyse: Wann mieten, wann kaufen?
Das klassische Entscheidungsraster
Die Leasingentscheidung basiert auf einem einfachen Vergleich: Wie hoch sind die Gesamtkosten (TCO)?
Modellieren wir ein praktisches Szenario für ein deutsches KMU: Ein Fertigungsunternehmen benötigt eine CNC-Maschine.
| Faktor | Leasing | Kauf (finanziert) |
|---|---|---|
| Kaufpreis | entfällt | 100.000 € |
| Monatliche Leasingrate | 1.800 € | entfällt |
| Darlehenszins (5 Jahre, 4 %) | entfällt | 10.673 € |
| Wartung (im Leasing enthalten) | 0 € (Leasinggeber zahlt) | 5.000 €/Jahr (25.000 € insgesamt) |
| Versicherung | 0 € (Leasinggeber) | 2.000 €/Jahr (10.000 €) |
| Steuervorteil aus der Abschreibung | 0 € | 5.000 €/Jahr x 30 % Steuern = 1.500 €/Jahr = 7.500 € |
| Gesamtausgaben 5 Jahre | 108.000 € | 138.673 € minus 7.500 € Steuervorteil = 131.173 € |
| Restwert | entfällt (Leasinggeber) | 20.000 € (10 % verbleibend) |
| Nettokosten über 5 Jahre | 108.000 € | 111.173 € |
Ergebnis: In diesem Beispiel kostet Leasing 108.000 € gegenüber 111.173 € beim Kauf. Leasing gewinnt um 3.173 € über 5 Jahre, oder ungefähr 53 €/Monat. Aber das Ergebnis ist knapp – kleine Änderungen bei den Annahmen kippen es.
Detailliertes Berechnungsbeispiel mit deutscher Steuer
Rechnen wir ein realistischeres Beispiel durch, einschließlich der deutschen Körperschaftsteuer (Körperschaftsteuer + Solidaritätszuschlag + Gewerbesteuer).
Szenario: Ein Softwareunternehmen kauft einen Server für 50.000 € (5 Jahre Nutzungsdauer) ODER least ihn für 900 €/Monat.
- Jährliche Abschreibung: 50.000 € / 5 Jahre = 10.000 €/Jahr
- Steuersatz (kombiniert): 30 % (Schätzung: 15 % Körperschaftsteuer + 5,5 % Solidaritätszuschlag + 9,5 % Gewerbesteuer)
- Jährliche Leasingzahlung: 10.800 €
- Steuervorteil der Abschreibung: 10.000 € x 30 % = 3.000 €/Jahr
- Steuervorteil der Leasingzahlung: 10.800 € x 30 % = 3.240 €/Jahr
Analyse nach Steuern über 5 Jahre:
- Leasing: 54.000 € Gesamtzahlungen - 16.200 € Steuervorteil = 37.800 € Nettokosten
- Kauf: 50.000 € Kaufpreis + 3.000 € Zinsen (angenommenes Darlehen) - 15.000 € Steuervorteil = 38.000 € Nettokosten
- Gewinner: Leasing um 200 € (vernachlässigbarer Unterschied)
Wenn die Kosten so nah beieinander liegen, dominieren nicht-finanzielle Faktoren die Entscheidung: Flexibilität, Bilanzauswirkung, Wartungsverantwortung.
Wann Leasing GEWINNT
1. Technologie veraltet schnell
IT-Geräte, Softwarelizenzen, Fertigungssteuerungen und Bildgebungssysteme. Leasing überträgt das Veralterungsrisiko auf den Leasinggeber. Ein 3-jähriger Leasingvertrag über Server bedeutet, dass du alle 3 Jahre aufrüstest – ideal für sich schnell verändernde Technologie.
2. Fahrzeuge und Transport
Für deutsche Unternehmen mit Fuhrpark ist Kilometerleasing oft günstiger als Eigentum. Es umfasst Versicherung, Wartung und Pannenhilfe. Beliebte Anbieter: Grenke, Deutsche Leasing, Siemens Financial Services.
3. Gering ausgelastete Vermögensgegenstände
Gabelstapler, die 10 % des Jahres genutzt werden, saisonale Geräte oder spezialisierte Maschinen, die nur vorübergehend benötigt werden. Warum kaufen, wenn du sie nur 20 Tage pro Jahr verwendest?
4. Bilanzflexibilität (Kontext vor IFRS 16)
Obwohl IFRS 16 diesen Vorteil abgeschwächt hat, können kurzfristige Leasingverträge (<12 Monate) und das Leasing immaterieller Vermögenswerte weiterhin eine Bilanzierung vermeiden. Für Unternehmen, die empfindlich auf Verschuldungskennzahlen reagieren, ist dies wichtig.
5. Einfachheit bei Wartung und Support
Der Leasinggeber übernimmt Wartung, Reparaturen und technischen Support. Für Unternehmen, die operativen Aufwand vermeiden möchten, ist dies ein enormer Wert: vorhersehbare Kosten, keine Wartungsüberraschungen, Verpflichtung des Leasinggebers.
Wann der KAUF GEWINNT
1. Langlebige Vermögensgegenstände
Immobilien, Gebäude, schwere Maschinen mit 20–40 Jahren Nutzungsdauer. Die Eigentumskosten sprechen dramatisch für den Kauf. Beispiel: Ein Gebäude für 500.000 € wird über 50 Jahre abgeschrieben. Die Miete für die gleiche Fläche würde kumuliert wesentlich mehr kosten.
2. Hoch ausgelastete Vermögensgegenstände
Kerngeräte, die den täglichen Betrieb tragen. Kaufe sie, wenn du sie über Jahre nutzt. Fertigungsgeräte, Produktionslinien, Diagnosegeräte in Praxen.
3. Hoher Restwert
Einige Vermögensgegenstände (besonders Premium-Maschinen deutscher Hersteller) behalten 30–50 % Restwert. Wenn der Wiederverkaufsmarkt stark ist, ist Kaufen und späteres Verkaufen günstiger als Leasing.
4. Anpassung erforderlich
Geräte, die Integration, Modifikation oder spezielle Einrichtung benötigen. Leasinggesellschaften erlauben dies nicht. Kaufe stattdessen.
5. Vermeidung des Veralterungsrisikos (Leasinggeber verlangt Gewinn)
Der Leasinggeber kalkuliert eine Risikoprämie für Veralterung ein. Wenn du zuversichtlich bist, dass der Vermögensgegenstand wertvoll bleibt, entfällt mit dem Kauf dieser Aufschlag.
Gesamtkosten (TCO) im Vergleich
Hier ist ein umfassendes TCO-Raster für deutsche KMU:
| Kostenkomponente | Leasing | Kauf |
|---|---|---|
| Anschaffung des Vermögensgegenstands | Im Leasing enthalten | Vorauszahlung oder Finanzierung |
| Monatliche/jährliche Zahlung | Feste Leasingrate | Darlehensrate (falls finanziert) |
| Wartung & Reparaturen | Enthalten | Aus eigener Tasche (X €/Jahr) |
| Versicherung & Zulassung | Oft enthalten | Aus eigener Tasche |
| Steuerschild Abschreibung | Abzug der Leasingrate | Abzug der Abschreibung |
| Steuerschild Zinsen | entfällt | Zinsabzug |
| Restwert | 0 (für den Leasingnehmer) | Verkaufserlös |
| Kosten bei vorzeitiger Beendigung | Geringe Strafen | Kapitalverlust |
| Gesamtausgaben 5 Jahre | Summe Leasingraten + Ausgaben - Steuern | Anschaffungskosten + Ausgaben + Zinsen - Steuerschilde |
Die GAP-Leasingstrategie
Ein Guaranteed Asset Protection (GAP) Leasing ist eine spezialisierte Leasingstrategie, die in Deutschland für Fahrzeuge beliebt ist. Der Leasinggeber garantiert den Restwert – wenn das Auto am Vertragsende weniger wert ist als erwartet, trägt der Leasinggeber den Verlust.
So funktioniert es: Du least einen BMW 3er mit einer Restwertgarantie von 25.000 €. Am Vertragsende (3 Jahre) ist das Auto 22.000 € wert. Der Leasinggeber zahlt dir 3.000 €. Dies schützt gegen das Wertverlustrisiko.
Kosten: Der GAP-Schutz erhöht die Leasingraten um 2–4 %. Für Unternehmen mit Fuhrpark und Restwertrisiko kann sich das lohnen. Vergleiche ihn mit einer Restwertversicherung, die in Deutschland weniger gebräuchlich ist.
Restwertrisiko
Der Restwert ist der erwartete Wert der Maschine am Vertragsende. Leasinggeber schätzen ihn anhand von Abnutzung, Marktbedingungen und technischem Wandel.
Risiko für den Leasingnehmer: Wenn der Vermögensgegenstand schneller als erwartet an Wert verliert, schuldest du Geld. Beispiel: Der Vertrag endet mit einem vereinbarten Restwert von 50.000 €. Das Gerät ist 35.000 € wert. Du schuldest dem Leasinggeber 15.000 €.
Risikominderung:
- Verhandle Restwerte konservativ (niedriger, weniger Risiko für dich)
- Stelle sicher, dass die Vertragsbedingungen normalen Verschleiß festlegen (schließe übermäßige Abnutzung aus)
- Bestehe auf einer unabhängigen Schätzung am Vertragsende
- Wähle seriöse Leasinggeber (Grenke, Deutsche Leasing) mit fairer Bewertungspraxis
Große Leasinganbieter in Deutschland
Grenke
Gegründet: 1978, mit Sitz in Baden-Baden. Eines der größten unabhängigen Leasingunternehmen Deutschlands. Spezialisierung: Geräte, Fahrzeuge, IT. Typische Laufzeiten: 3–5 Jahre. Verwaltetes Vermögen: 30 Mrd. €+. Stärke: Flexible Laufzeiten, schnelle Genehmigung.
Deutsche Leasing (DZ Bank Gruppe)
Gegründet: 1963, Teil der DZ Bank Gruppe. Spezialisierung: Immobilien, Fahrzeuge, Maschinen. Typische Laufzeiten: 3–10 Jahre. Stärke: Konservativ, starke Bilanz, günstig für große Beträge (500.000 €+).
Siemens Financial Services
Gegründet: Teil der Siemens Gruppe. Spezialisierung: Industrieanlagen, Fabrikautomation, Infrastruktur. Typische Laufzeiten: 3–7 Jahre. Stärke: In Siemens-Produkte integriert, Herstellerfinanzierung, Fokus auf grüne Technologie.
Optimierung der Sonderzahlung (Anzahlung)
Deutsche Leasingverträge enthalten oft eine Sonderzahlung (Einmalzahlung oder Ballonzahlung) zu Beginn oder am Ende der Laufzeit. Strategisch eingesetzt, kann sie die monatlichen Raten reduzieren.
Beispiel: Leasing von Geräten für 100.000 € über 60 Monate. Option A: 1.800 €/Monat. Option B: 1.500 €/Monat + 10.000 € Ballonzahlung am Ende. Wähle B, wenn du jetzt flüssig bist und niedrigere monatliche Kosten möchtest.
Steuerliche Überlegung: Die Sonderzahlung ist im Zahlungsjahr abzugsfähig (bei Operating Leases), daher ist das Timing wichtig für die Steuerplanung.
Vorzeitige Beendigung und Break-Kosten
Die meisten Leasingverträge enthalten Strafen für vorzeitige Beendigung. Deutsche Leasingverträge sehen typischerweise vor:
- Mindestlaufzeit: Der Vertrag kann nicht vorher beendet werden (typischerweise 1–3 Jahre bei Geräten)
- Gebühr bei vorzeitiger Beendigung: X € pro verbleibendem Monat (oft 5–10 % der verbleibenden Zahlungen)
- Restwertanpassung: Wenn das Gerät mehr oder weniger wert ist als vereinbart, zahlst oder erhältst du die Differenz
- Schadens-/Verschleißbewertung: Der Leasinggeber berechnet Schäden über den normalen Verschleiß hinaus
Strategie: Kläre vor der Unterzeichnung die Kosten einer vorzeitigen Beendigung. Wachsende Unternehmen, die unsicher über ihren Bedarf sind, sollten flexible Laufzeiten verhandeln (höhere monatliche Zahlung, aber niedrigere Break-Kosten).
IFRS 16 und Leasingbilanzierung im Detail
Unter IFRS 16 musst du jetzt den Barwert der Leasingzahlungen berechnen und eine Verbindlichkeit erfassen. So funktioniert die Mechanik:
- Leasingverhältnis identifizieren: Gibt dir der Vertrag die Kontrolle über einen Vermögensgegenstand für einen bestimmten Zeitraum?
- Barwert berechnen: Diskontiere alle Leasingzahlungen mit dem Grenzfremdkapitalzinssatz (IBR) – dem Satz, den du zahlen würdest, wenn du dir Geld für denselben Vermögensgegenstand leihen würdest
- ROU-Vermögen erfassen: Verbindlichkeit + anfängliche direkte Kosten = ROU-Vermögen
- Monatliche Bilanzierung: Schreibe das ROU-Vermögen ab, schreibe die Zinsen auf die Verbindlichkeit fort
- Auswirkung auf die GuV: Nicht mehr einfach Leasingaufwand – jetzt Abschreibung + Zinsaufwand
Beispiel: Ein Leasing über 100.000 € über 5 Jahre. IBR = 4 %. Barwert der Zahlungen ≈ 92.000 €. Erfasse 92.000 € ROU-Vermögen + 92.000 € Leasingverbindlichkeit. Monatlich: Schreibe 1.533 € ab + erfasse den Zinsaufwand.
Entscheidungsmatrix: Sollte dein deutsches KMU leasen oder kaufen?
Verwende dieses Raster:
| Faktor | Spricht für Leasing | Spricht für Kauf |
|---|---|---|
| Nutzungsdauer des Vermögens | <5 Jahre (veraltet schnell) | >10 Jahre (langlebig) |
| Auslastung | Niedrig (saisonal/Teilzeit) | Hoch (Kernbetrieb) |
| Technologierisiko | Hoch (schnelle Entwicklung) | Niedrig (stabil) |
| Restwert | Unsicher/volatil | Vorhersagbar/stabil |
| Wartung | Komplex/unvorhersehbar | Einfach/beherrschbar |
| Steuersatz | Unwesentlich (niedrige Steuerklasse) | Hoch (Abzüge maximieren) |
| Verschuldungsspielraum | Begrenzt (hoher Verschuldungsgrad) | Vorhanden (Kreditaufnahme möglich) |
| Liquiditätsposition | Knapp (Liquidität schonen) | Stark (Investieren möglich) |
| Bilanzempfindlichkeit | Unbesorgt über den Ausweis von Verbindlichkeiten | Besorgt (Verbindlichkeiten minimieren) |
| Anpassung | Keine (Standardgeräte) | Erheblich (besondere Anforderungen) |
Zähle die Faktoren für Leasing und die für Kauf. Wenn Leasing bei 6+ Faktoren gewinnt: Leasing ist wahrscheinlich besser. Wenn der Kauf bei 6+ Faktoren gewinnt: Der Kauf ist wahrscheinlich besser.
Steuerplanung: Abzüge maximieren
Der Unterschied beim Steuerabzug zwischen Leasing und Kauf ist subtil, aber wichtig:
- Operating Lease: Die volle monatliche Zahlung ist abzugsfähig (1.800 € = 1.800 € Abzug)
- Finance Lease/Eigentum: Nur Abschreibung + Zinsen sind abzugsfähig (könnte 800 € Abschreibung + 300 € Zinsen = 1.100 € Abzug sein)
Langfristig kann der Kauf gewinnen, weil der Abschreibungsabzug länger läuft als die Darlehenstilgung. Ein 5-jähriges Darlehen wird in 60 Monaten zurückgezahlt. Die Abschreibung läuft 10+ Jahre weiter.
Häufige Leasingfehler und wie du sie vermeidest
- Ignoriere das Restwertrisiko nicht: Vereinbare konservative Restwerte schriftlich.
- Vergiss die Vertragsverhandlung nicht: Die meisten deutschen Leasingbedingungen sind verhandelbar. Verhandle über Zinssatz, Laufzeit und Gebühren bei vorzeitiger Beendigung.
- Übersieh die Wartungskosten nicht: Berechne Versicherung, Zulassung und Reparaturen für genutzte Vermögensgegenstände.
- Missverstehe IFRS 16 nicht: Nimm nicht an, dass Leasing eine Bilanzierung vermeidet – die meisten Leasingverträge erscheinen jetzt als Verbindlichkeiten.
- Vergiss die steuerlichen Auswirkungen nicht: Konsultiere deinen Steuerberater vor der Verpflichtung. Die steuerliche Auswirkung kann die Entscheidung kippen.
- Binde dich nicht zu lange: Vermeide 7–10 Jahre Leasingverträge für Technologie. Das Veralterungsrisiko ist real.
- Vergleiche die Leasinggeber: Hole Angebote von Grenke, Deutsche Leasing und anderen ein. Die Rate variiert um 200–500 €/Monat.
Handlungsschritte: Die Entscheidung zwischen Leasing und Kauf treffen
- Vermögensgegenstand identifizieren: Was genau finanzierst du? (Fahrzeug, Maschine, IT-Geräte, Immobilien?)
- Preise sammeln: Hole Kaufangebote und Leasingangebote ein (mindestens 3–5 Leasinggeber).
- TCO berechnen: Baue ein einfaches Excel-Modell auf. Beziehe alle Kosten, Steuern und den Restwert ein.
- Szenarioanalyse: Modelliere, was geschieht, wenn der Restwert 20 % niedriger oder die Wartung 30 % höher ist.
- Konsultiere deinen Steuerberater: Stelle sicher, dass die steuerliche Behandlung in deinem Modell korrekt ist.
- IFRS-16-Auswirkung prüfen: Falls du IFRS-Abschlüsse vorbereitest, berechne die Auswirkung auf ROU-Vermögen und Verbindlichkeiten.
- Verhandle: Die meisten deutschen Leasinggeber sind verhandlungsbereit. Nutze konkurrierende Angebote als Hebel.
- Unterzeichne den richtigen Vertrag: Lass deinen Anwalt die Leasingvereinbarung prüfen, besonders Restwert- und Klauseln zur vorzeitigen Beendigung.
Fazit
Für deutsche KMU liegen Leasing und Kauf auf Gesamtkostenbasis oft nur 2–5 % auseinander. Wenn die Kosten ähnlich sind, dominieren nicht-finanzielle Faktoren: Flexibilität, Wartung, Technologierisiko und Bilanzauswirkung. Verwende die Entscheidungsmatrix oben, um diese Faktoren zu gewichten. Im Zweifelsfall konsultiere deinen Steuerberater und Anwalt.
Kennzahlen in diesem Artikel
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