Personal & Lohn

Betriebliche Altersvorsorge 2026: Auto-Enrollment, Arbeitgeberzuschuss und was KMU wissen müssen

Marcus Smolarek2026-02-0918 min Lesezeit

BRSG II (ab Januar 2026 gültig) führt Auto-Enrollment und Pflicht-15%-Arbeitgeberzuschuss ein. Erkunde 5 Durchführungswege, Steuervorteil, Kostenvergleich und praktische Umsetzung für KMU.

Ab 1. Januar 2026 ändert das Betriebsrentenstärkungsgesetz II (BRSG II) grundlegend, wie betriebliche Altersvorsorge (bAV) in Deutschland funktioniert. Neue Auto-Enrollment-Regeln, Pflicht-Arbeitgeberzuschüsse von 15% und vereinfachte Zugriffsanforderungen schaffen sowohl Chancen als auch Verpflichtungen für deutsche KMU.

Was sich in BRSG II ändert (ab Januar 2026 gültig)

Die BRSG-II-Reformen zielen darauf ab, die Teilnahmequote bei der Altersvorsorge unter deutschen Arbeitnehmern zu erhöhen. Wichtigste Änderungen:

  • Auto-Enrollment (Opting-Out-Modell): Arbeitgeber müssen berechtigte Arbeitnehmer automatisch anmelden, es sei denn, sie lehnen explizit ab
  • Pflicht-15%-Arbeitgeberzuschuss: Arbeitgeber müssen 15% der Gehaltsreduktion des Arbeitnehmers zur Altersvorsorge beitragen
  • Erweiterter Zugriff: Mitarbeiter, die nur 520 Euro/Monat verdienen, können teilnehmen
  • Vereinfachte Verwaltung: Vereinfachte Einrichtung und verringerte Compliance-Last für kleine Arbeitgeber

1. Die 5 Durchführungswege

Das deutsche Recht erlaubt Unternehmen, bAV durch fünf verschiedene Strukturen zu implementieren.

Direktversicherung: Beste Option für KMU

Der Arbeitgeber kauft eine Versicherungspolice für den Arbeitnehmer. Die häufigste Methode für KMU.

  • Struktur: Arbeitgebervertrag mit Versicherer; Versicherer zahlt Leistungen bei Pensionierung
  • Kosten: 15% Arbeitgeberzuschuss + administrative Gebühren
  • Risiko: Versicherer trägt Anlage- und Langlebigkeitsrisiko, nicht Arbeitgeber
  • Setup: 2-4 Wochen
  • Am besten geeignet für: Kleinstunternehmen und kleine KMU (<50 Mitarbeiter)

Kostenbeispiel: Direktversicherung

Unternehmen mit 20 Mitarbeitern, durchschnittliches Gehalt 3.000 Euro/Monat: - Mitarbeiter-Beitrag: 150 Euro/Monat - Arbeitgeberzuschuss (15%): 22,50 Euro/Monat - Jährliche Gesamtkosten: ~2.070 Euro pro Mitarbeiter - Keine Arbeitgeberhaftung für Anlagerenditen

Pensionskasse: Für mittlere KMU

Mehrere Arbeitgeber tragen zu einem gemeinsamen Fonds bei. Professionelle Verwaltung und gemeinsame Risiken.

  • Struktur: Gemeinsamer Fonds mit professionellem Management
  • Kosten: 15% Zuschuss + Admin-Gebühren (0,5-1%)
  • Risiko: Geteilt zwischen Teilnehmern
  • Setup: 4-6 Wochen
  • Am besten geeignet für: Mittlere KMU (50-300 Mitarbeiter)

Pensionsfonds: Für Kapitalmarkt-Strategie

Ähnlich wie die Pensionskasse, mit mehr Investmentflexibilität und Kapitalmarktinvestitionen.

  • Struktur: Eigener Fonds mit Kapitalmarktanlagen
  • Kosten: 15% Zuschuss + Admin-Gebühren (0,5-1,5%)
  • Risiko: Teilweise Anlagerisiko für Arbeitgeber
  • Setup: 4-6 Wochen
  • Am besten geeignet für: Größere KMU (200+ Mitarbeiter)

Unterstützungskasse: Für große Unternehmen

Separate juristische Person; höchste Flexibilität, aber auch höchstes Risiko für Arbeitgeber.

  • Struktur: Eigenständiger Verein mit Arbeitgeber-Haftung
  • Kosten: 15% Zuschuss + Admin + Rückversicherung
  • Risiko: Hoch – Arbeitgeber trägt Unterfinanzierungsrisiko
  • Setup: 8-12 Wochen
  • Am besten geeignet für: Große, profitable Unternehmen (500+ Mitarbeiter)

Direktzusage: Für Schlüsselpersonen

Der Arbeitgeber verspricht die Leistung direkt; höchstes Risiko für den Arbeitgeber. Selten für KMU.

2. Pflicht-15%-Arbeitgeberzuschuss

BRSG II verlangt 15% Zuschuss auf die Gehaltsreduktion des Mitarbeiters.

Wie es funktioniert

  • Mitarbeiter-Beitrag: 100 Euro/Monat
  • Arbeitgeberzuschuss (15%): 15 Euro/Monat
  • Gesamter Beitrag: 115 Euro/Monat
  • Arbeitgeberkosten: 180 Euro/Jahr pro Mitarbeiter

3. Auto-Enrollment (Opting-Out-Modell)

Ab 1. Januar 2026 müssen Mitarbeiter automatisch angemeldet werden, es sei denn, sie lehnen ab.

  • Wer: Mitarbeiter ab 520 Euro/Monat Gehalt
  • Standard-Beitrag: 4% des Bruttogehalts (anpassbar)
  • Abmeldefrist: 4 Wochen nach dem Angebot, sich schriftlich abzumelden
  • Jährliche Neuanmeldung: Abgemeldete Mitarbeiter können jährlich wieder beitreten
  • Keine Strafen: Abmeldung hat keine negativen Konsequenzen

4. Steuervorteil für Mitarbeiter und Arbeitgeber

bAV bietet erhebliche Steuereinsparungen für beide Seiten.

Mitarbeiter-Vorteile (§3 Nr. 63 EStG)

  • Steuerfrei: Beiträge bis 302 Euro/Monat sind einkommensteuerfrei
  • Keine Sozialversicherung: Beiträge sind auch sozialversicherungsfrei
  • Aufzinsung steuerfrei: Anlagerenditen wächsen unversteuert
  • Beispiel: 100 Euro/Monat Beitrag spart 30-42 Euro Steuern/Monat

Arbeitgeber-Vorteile

  • Steuerabzug: 15% Zuschuss ist Betriebsausgabe
  • Keine Sozialversicherung: Auf Beiträge fallen keine Lohnnebenkosten an
  • Nettokosten: ~10,5% statt 15% (nach Steuersparnis)
  • Beispiel: 15 Euro Zuschuss kostet Arbeitgeber nur ~10,50 Euro nach Steuer

5. Kostenvergleich der Durchführungswege

MethodeSetup-KostenJährliche Admin-KostenAm besten geeignet für
Direktversicherung0-500 EuroKeine (in der Prämie enthalten)Kleine KMU
Pensionskasse500-2.000 Euro0,5-1% des VermögensMittlere KMU
Pensionsfonds1.000-3.000 Euro0,5-1,5% des VermögensGrößere KMU
Unterstützungskasse5.000-15.000 Euro3.000-10.000 Euro/JahrGroße Unternehmen
Direktzusage0-1.000 Euro1.000-5.000 Euro/JahrSelten, Schlüsselpersonen

Für die meisten KMU ist Direktversicherung die beste Wahl: niedrige Kosten, einfache Verwaltung, keine Arbeitgeberhaftung.

6. Umsetzungs-Zeitleiste

  • Bis Dezember 2025: Wähle einen Durchführungsweg und einen Anbieter
  • 1. Januar 2026: Beginne den Auto-Enrollment-Prozess
  • Januar-Februar 2026: 4-Wochen-Abmeldefrist
  • März 2026+: Lohnabrechnung für nicht abgemeldete Mitarbeiter
  • Jährlich: Biete abgemeldeten Mitarbeitern die Neuanmeldung an

Compliance-Risiko

Die Nichteinhaltung des BRSG II kann zu Geldbußen und Arbeitnehmeransprüchen führen. Dokumentiere das Auto-Enrollment-Angebot und den Abmeldevorgang ordnungsgemäß. Konsultiere einen bAV-Spezialisten oder Steuerberater.

7. Praktische Einrichtungsanleitung für KMU mit 5-50 Mitarbeitern

Schritt 1: Aktuelle Situation beurteilen

  • Wie viele Mitarbeiter verdienen ≥520 Euro/Monat?
  • Kann das Lohnsystem bAV-Abzüge verarbeiten?
  • Bietet das Unternehmen bereits bAV an?
  • Kann sich das Unternehmen den Zuschuss von 15% leisten?

Schritt 2: Anbieter auswählen

  • Kontaktiere 3-4 Direktversicherungsanbieter
  • Fordere Angebote an (Gebühren, Zeitplan, Auto-Enrollment-Unterstützung)
  • Vergleiche Gesamtkosten und Serviceleistungen
  • Überprüfe das Mitarbeiterportal und das Kommunikationsmaterial
  • Entscheide dich: Versicherung, Pensionskasse oder Bankangebot

Empfohlene Anbieter für KMU

Beliebte Direktversicherungsanbieter in Deutschland: - Allianz: Marktführer, umfangreiche KMU-Erfahrung - Munich Re: Große Abdeckung, gute Arbeitgeberunterstützung - Generali: Wettbewerbsfähige Preise für kleine Gruppen - Zurich: Integrierte Lohnunterstützung Fordere kostenlose Angebote an; vergleiche Gebühren und Servicequalität.

Schritt 3: Lohnsystem vorbereiten

  • Informiere den Lohndienstleister über die bAV-Implementierung
  • Aktualisiere die Lohnabrechnung für bAV-Abzüge
  • Teste die Lohnabrechnung vor der Live-Implementierung
  • Dokumentiere alle Änderungen für die Prüfung

Schritt 4: Mit Mitarbeitern kommunizieren

  • Bereite die schriftliche Mitteilung vor (gesetzlich vorgeschrieben)
  • Enthalten: Beitragssatz, Arbeitgeberzuschuss, Abmeldehinweise
  • Stelle die Mitarbeitermaterialien des Anbieters bereit
  • Optional ein Q&A-Treffen anbieten
  • Klare Abmeldefrist setzen (4 Wochen nach Mitteilung)

Schritt 5: Durchführung und Überwachung

  • Mitteilung an alle berechtigten Mitarbeiter senden
  • Abmeldeanfragen sammeln; alle Antworten dokumentieren
  • Monatliche Beiträge an Anbieter überweisen
  • Jährliche Vorteilsauszüge an Mitarbeiter bereitstellen
  • Jährlich Compliance überprüfen; Auto-Enrollment-Mitteilungen aktualisieren

8. Häufig gestellte Fragen zu bAV 2026

Muss ich bAV anbieten, wenn ich <10 Mitarbeiter habe?

Nein. bAV ist Pflicht nur für Arbeitgeber mit ≥10 Mitarbeitern. Kleinere Arbeitgeber können freiwillig anbieten (gut für Mitarbeiterbindung).

Was passiert, wenn sich ein Mitarbeiter abmeldet?

Der Mitarbeiter wird aus dem Auto-Enrollment entfernt. BRSG II verlangt aber ein jährliches Neuanmeldungsangebot – Mitarbeiter können später beitreten.

Kann ich einen niedrigeren Zuschuss als 15% anbieten?

Nein. BRSG II verlangt einen Mindestzuschuss von 15%. Du kannst mehr anbieten, aber nicht weniger.

9. Finanzplanung für bAV-Kosten

So budgetierst du bAV-Kosten:

  • Berechtigte Mitarbeiter: Zähle die Mitarbeiter mit ≥520 Euro/Monat
  • Teilnahmequote: Erwarte, dass 70-85% sich nicht abmelden
  • Mitarbeiter-Beiträge: Standard 4% des Bruttogehalts
  • Arbeitgeberzuschuss: 15% der Mitarbeiter-Beiträge
  • Anbietergebühren: Typischerweise 50-150 Euro/Jahr pro Mitarbeiter
  • Gesamtkosten: (Berechtigte × Quote × Durchschnittsgehalt × 4%) × 15% + Gebühren

Budgetbeispiel: Unternehmen mit 30 Mitarbeitern

30 Mitarbeiter, durchschnittliches Gehalt 2.500 Euro/Monat Berechtigte: 28 Mitarbeiter (alle >520 Euro) Erwartete Teilnahme: 22 Mitarbeiter (80%) Durchschnittlicher Mitarbeiter-Beitrag: 4% × 2.500 = 100 Euro/Monat Arbeitgeberzuschuss pro Mitarbeiter: 15% × 100 = 15 Euro/Monat Gesamtmonatliche Kosten: 22 × 15 = 330 Euro/Monat Gesamtjährliche bAV-Kosten: 330 × 12 = 3.960 Euro/Jahr Kosten nach Steuern (30% Steuersparnis): ~2.772 Euro/Jahr Pro Mitarbeiter: ~92 Euro/Jahr oder ~7,70 Euro/Monat Dies ist vergleichsweise niedrig für eine Leistung zur Mitarbeiterbindung.

10. Strategische Vorteile von bAV für KMU

Über die Rechtskonformität hinaus bietet bAV strategische Vorteile:

  • Mitarbeiterbindung: Ansprüche werden nach und nach unverfallbar (3+ Jahre), was die Loyalität fördert
  • Rekrutierung: bAV ist eine wichtige Arbeitnehmerleistung; sie hilft, Top-Talente anzuziehen
  • Steuereffizienz: 15% Zuschuss ist steuerabzugsfähig und sozialversicherungsfrei
  • Mitarbeiterzufriedenheit: Zeigt das Engagement des Unternehmens für das langfristige Wohlbefinden
  • Wettbewerbsvorteil: Kleinere Konkurrenten bieten vielleicht keine bAV an; du hast einen Vorteil

Zusammenfassung

BRSG II macht bAV ab 1. Januar 2026 Pflicht für Arbeitgeber mit 10+ Mitarbeitern. Während der Zuschuss von 15% Kosten verursacht, reduzieren Steuer- und Sozialversicherungsersparnisse effektiv die Nettokosten. Für KMU ist Direktversicherung die einfachste und kostengünstigste Option. Beginne jetzt: Wähle einen Anbieter, bereite dein Lohnsystem vor und kommuniziere klar mit den Mitarbeitern über Auto-Enrollment. Die bescheidene Investition in bAV zahlt sich in Mitarbeiterbindung und Zufriedenheit aus.

Hinweis: Finance Stacks ist keine Finanzberatung. Alle Inhalte dienen ausschließlich Informationszwecken und ersetzen keine professionelle Beratung durch einen Steuerberater, Wirtschaftsprüfer oder Finanzberater.