Personal & Lohn

Kurzarbeit beantragen: Kurzarbeitergeld berechnen, Antrag stellen und richtig abwickeln

Marcus Smolarek2026-02-0911 min Lesezeit

Ein praktischer Leitfaden zur Kurzarbeit, einschließlich Beantragung, Kurzarbeitergeld-Berechnung, Prozessmanagement und Arbeitnehmerrechte.

Kurzarbeit beantragen: Kurzarbeitergeld berechnen, Antrag stellen und richtig abwickeln

Kurzarbeit ist ein wichtiges Krisenmanagement-Instrument, das deutschen Arbeitgebern ermöglicht, Arbeitszeiten vorübergehend zu reduzieren, anstatt Arbeitnehmer zu entlassen. In Zeiten wirtschaftlicher Schwierigkeiten gleicht die Bundesagentur für Arbeit entgangenes Einkommen durch Kurzarbeitergeld (KuG) teilweise aus. Das Verständnis von Beantragung, Berechnung und Prozessmanagement ist für Arbeitgeber, die wirtschaftliche Herausforderungen bewältigen, unverzichtbar.

Was ist Kurzarbeit und warum ist sie wichtig

Kurzarbeit ist ein staatlich unterstütztes Programm, das es Arbeitgebern ermöglicht, die Arbeitszeiten der Arbeitnehmer in Zeiten vorübergehender wirtschaftlicher Schwierigkeiten zu reduzieren, anstatt Verträge zu kündigen. Statt Entlassungen werden Stunden reduziert, und Arbeitnehmer erhalten vom Staat einen Teilersatz der Vergütung. Dies bewahrt Arbeitsbeziehungen und ermöglicht ein schnelles Hochfahren, wenn sich die Nachfrage erholt.

  • Verhindert Entlassungen während temporärer Schwierigkeiten
  • Bewahrt Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen
  • Erhält Fachkenntnisse und institutionelle Erfahrung
  • Reduziert Arbeitgeberkosten ohne volle Vergütung
  • Ermöglicht dem Staat, Einkommen zu unterstützen, statt Arbeitslosenleistungen zu zahlen
  • Einfacher, wieder hochzufahren, als neue Mitarbeiter einzustellen, wenn sich die Wirtschaft erholt

Voraussetzungen für Kurzarbeit: Rechtliche Anforderungen

Vor der Beantragung muss der Arbeitgeber strenge rechtliche Kriterien erfüllen. Nicht alle wirtschaftlichen Schwierigkeiten qualifizieren sich.

1. Erheblicher Arbeitsausfall

Der Arbeitgeber muss einen erheblichen, unfreiwilligen Arbeitsausfall nachweisen. Dies ist typischerweise definiert als:

  • Verlust von mindestens 10 % der normalen Arbeitszeit in der betroffenen Mitarbeitergruppe
  • Temporäre Natur: Der Ausfall muss zeitlich begrenzt sein
  • Unfreiwillig: Nicht durch Missmanagement des Arbeitgebers verursacht
  • Nachfrageeinbruch: Üblicherweise verursacht durch externe Faktoren (Markteinbruch, Lieferantenausfall, regulatorische Änderungen)
  • Dokumentiert: Nachweis verlorener Aufträge, stornierter Verträge oder Marktdaten

Zum Beispiel war ein Gastronomiebetrieb während der COVID-19-Schließungen von einer erzwungenen Betriebsschließung betroffen — klarer Arbeitsausfall. Ein Tech-Unternehmen, das einen einzelnen Kunden mit 5 % des Umsatzes verliert, würde nicht automatisch qualifizieren, sofern nicht 10 % der Stunden bei mehreren Arbeitnehmern betroffen waren.

2. Unabwendbarkeit

Der Arbeitgeber muss zeigen, dass der Arbeitsausfall unabwendbar war — nicht durch zumutbare Maßnahmen verhinderbar. Dies bedeutet:

  • Der Arbeitgeber hat bereits Sparmaßnahmen ergriffen (Energiereduktion, Neuverhandlung von Zahlungsbedingungen)
  • Arbeit kann nicht in andere Abteilungen oder Tochterfirmen verlagert werden
  • Arbeitnehmer können keine alternativen Aufgaben übernehmen
  • Es existiert keine vernünftige Alternative zur Arbeitszeitreduzierung
  • Die Maßnahme ist angemessen und notwendig für das Überleben des Geschäfts

3. Temporäre Natur

Kurzarbeit ist für temporäre Schwierigkeiten konzipiert, nicht für strukturelle Geschäftsfehlschläge. Die Agentur wird sorgfältig prüfen, ob eine Erholung innerhalb des geplanten Zeitraums realistisch möglich ist.

Schritt 1: Anzeige bei der Arbeitsagentur

Vor der Umsetzung von Kurzarbeit müssen Arbeitgeber die örtliche Agentur für Arbeit vorher benachrichtigen. Dies ist keine Genehmigungsanfrage, sondern eine offizielle Anzeige.

Zeitplan und Verfahren

  • Mindestbenachrichtigungsfrist: Üblicherweise 4 Wochen vor Kurzarbeitsbeginn (Notfallausnahmen gelten)
  • Formular: Verwende das offizielle Anzeigeformular (online oder bei der Arbeitsagentur erhältlich)
  • Inhalt: Erläutere die Situation, erwartete Dauer, betroffene Arbeitnehmer und geplante Arbeitszeitreduzierung
  • Unterstützende Dokumente: Verkaufszahlen, stornierte Aufträge, Kundenschreiben (falls relevant)
  • Einreichung: Reiche sie bei der für deine Region zuständigen Agentur für Arbeit ein

Die Agentur genehmigt Kurzarbeit nicht formell. Wenn die Agentur jedoch die Rechtmäßigkeit des Antrags bestreitet, kann sie KuG-Zahlungen verweigern. Die meisten Anzeigen werden unbeanstandet angenommen, wenn die Grundlage solide ist.

Schritt 2: Rechtliche Grundlage—Betriebsvereinbarung oder Einzelzustimmung

In Deutschland erfordert die Umsetzung von Kurzarbeit eine rechtliche Grundlage. Diese ergibt sich entweder aus einer Betriebsvereinbarung oder der Einzelzustimmung der Arbeitnehmer. Eine einseitige Entscheidung des Arbeitgebers reicht nicht aus.

Option A: Betriebsvereinbarung

Wenn das Unternehmen einen Betriebsrat hat, muss der Arbeitgeber mit dem Betriebsrat verhandeln und eine Einigung erreichen. Die Vereinbarung legt fest:

  • Welche Arbeitnehmer betroffen sind
  • Neue reduzierte Arbeitszeiten
  • Dauer der Kurzarbeit
  • Wie betroffene Arbeitnehmer ausgewählt werden (Betriebszugehörigkeit, Leistung, Fachkenntnisse)
  • Wie Löhne während der Kurzarbeit berechnet werden
  • Arbeitnehmerschutz während des Zeitraums
  • Verfahren zur Rückkehr in den Normalbetrieb

Das Verfahren ist formal und kann Wochen dauern. In echten Notfällen sind jedoch beschleunigte Verfahren verfügbar.

Option B: Einzelne Zustimmung (ohne Betriebsrat)

Wenn es keinen Betriebsrat gibt oder für bestimmte Personen, kann der Arbeitgeber eine schriftliche Einzelzustimmung der betroffenen Arbeitnehmer einholen. Diese Zustimmung muss:

  • Die neuen Stunden und die reduzierten Löhne deutlich erklären
  • Die Dauer der Vereinbarung spezifizieren
  • Die Zustimmung des Arbeitnehmers und seine Unterschrift bestätigen
  • Vorher eingeholt werden (bevor die Kurzarbeit beginnt)
  • In der Akte aufbewahrt werden als Nachweis der Vereinbarung

Die Einzelzustimmung ist einfacher als Verhandlungen mit dem Betriebsrat, erfordert aber klare Kommunikation und Dokumentation.

Schritt 3: KuG-Berechnungen (Kurzarbeitergeld) verstehen

Das Kurzarbeitergeld (KuG) ist der Lohnersatz, der vom Staat gewährt wird. Die korrekte Berechnung des KuG ist für Arbeitgeber und Arbeitnehmer entscheidend.

Grundlegende KuG-Formel

KomponenteFormelErklärung
NettoentgeltdifferenzNormale Nettovergütung - reduzierte NettovergütungDie Einkommenslücke durch die Stundenreduzierung
KuG-Basissatz60 % der NettoentgeltdifferenzStandardsatz des Bundes
Verbesserter KuG-Satz67 % der NettoentgeltdifferenzFür Arbeitnehmer mit Kindern
Monatliches KuGTagessatz × Werktage pro MonatGesamte monatliche Vergütung

Beispielberechnung:

  • Normales Einkommen des Arbeitnehmers: 2.500 € netto/Monat
  • Neuer reduzierter Plan: 50 % der Stunden
  • Erwartetes reduziertes Nettoeinkommen: 1.250 €/Monat
  • Nettoentgeltdifferenz: 2.500 € - 1.250 € = 1.250 €
  • KuG (60 %): 1.250 € × 0,60 = 750 €/Monat
  • Arbeitnehmer erhält: 1.250 € (eigenes Entgelt) + 750 € (KuG) = 2.000 €/Monat

Verbesserter Satz (67 %): Wer sich qualifiziert

Arbeitnehmer mit unterhaltspflichtigen Kindern erhalten einen verbesserten KuG-Satz von 67 % anstelle von 60 %. Dies spiegelt höhere Lebenshaltungskosten wider. Qualifizierende Kinder sind:

  • Leibliche Kinder
  • Adoptivkinder
  • Stiefkinder (wenn im Haushalt lebend)
  • Kinder des Ehepartners (wenn im Haushalt lebend)
  • Für Steuerzwecke: Kindergeld wird bezogen

Im selben Beispiel mit Kind: 1.250 € × 0,67 = 837,50 €/Monat. Der Unterschied scheint klein, summiert sich aber über Monate.

Arbeitgeber-Vorschuss und Rückerstat

Der Arbeitgeber zahlt das KuG an die Arbeitnehmer vor. Der Prozess funktioniert wie folgt:

  • Arbeitgeber berechnet: KuG-Betrag basierend auf Stundenreduzierung und Arbeitnehmerstatus
  • Arbeitgeber zahlt: Schließt das KuG in das monatliche Gehalt ein (zusammen mit der reduzierten Nettovergütung)
  • Arbeitgeber reicht ein: Monatliche Abrechnung bei der Arbeitsagentur
  • Agentur erstattet: Die Arbeitsagentur erstattet dem Arbeitgeber die KuG-Zahlungen (üblicherweise innerhalb von 30-45 Tagen)
  • Liquiditätswirkung: Der Arbeitgeber trägt die Lohnkosten anfangs, bis die Erstattung eintrifft

Wichtig: Der Arbeitgeber deckt die Lohnabrechnung anfangs ab. Die Erstattungsverzögerung erzeugt Liquiditätsdruck, besonders bei kleineren Unternehmen. Die Planung für diese Lücke ist entscheidend.

Sozialversicherungsbeiträge während der Kurzarbeit

Ein großer Vorteil von Kurzarbeit ist, dass Sozialversicherungsbeiträge gleich bleiben, obwohl Stunden und Löhne sinken.

  • Krankenversicherung: Berechnet auf das normale volle Gehalt, nicht auf den reduzierten Betrag
  • Rentenversicherung: Beiträge werden weiterhin im normalen Satz für die Altersvorsorge gezahlt
  • Arbeitslosenversicherung: Beiträge laufen normal weiter
  • Pflegeversicherung: Im normalen Satz fortgesetzt
  • Auswirkung für Arbeitgeber: Reduzierte Lohnstunden, aber normale Versicherungskosten
  • Vorteile für Arbeitnehmer: Rentenansprüche laufen weiter, kein Verlust von Sozialschutz

Diese Regelung ist höchst vorteilhaft für Arbeitnehmer — sie verlieren trotz Einkommensreduzierung keinen Sozialversicherungsschutz. Arbeitgeber sollten dies in ihren Kurzarbeitsbudgets einkalkulieren.

Dauer: Grenzen und Verlängerungen

Kurzarbeit ist nicht unbegrenzt. Rechtliche Grenzen gelten, obwohl sie in Krisenzeiten verlängerbar sind.

DauerphasenMaximale DauerBedingungenAktuelle Änderungen
Anfangsphase12 MonateGesetzliche StandardgrenzeStandardbestimmung seit den 1990ern
Verlängerung (erste)Bis zu 24 Monate insgesamtErfordert Neuantrag und BegründungIn Krisenzeiten verfügbar
Verlängerung (Notfall)Bis zu 28 Monate insgesamtNur bei außergewöhnlichen UmständenWährend der COVID-Periode 2020-2021
KündigungJederzeit möglichDer Arbeitgeber kann den Normalbetrieb wieder aufnehmen, wenn sich die Nachfrage erholtMindestankündigung erforderlich

In der COVID-Krise 2020 verlängerte Deutschland die Kurzarbeit in bestimmten Sektoren von standardmäßig 12 Monaten auf 24-28 Monate. Diese temporären Maßnahmen sind größtenteils abgelaufen, und die Standardregel von 12 Monaten gilt jetzt.

Nebenbeschäftigung: Regeln für Nebentätigkeiten

Während der Kurzarbeit können Arbeitnehmer zusätzliches Einkommen durch Nebenbeschäftigung suchen. Die Regeln sind kulant, aber haben Grenzen.

  • Arbeitnehmer sind berechtigt, während reduzierter Stunden Zusatzarbeit zu übernehmen
  • Keine Zustimmung des Arbeitgebers erforderlich (private Entscheidung des Arbeitnehmers)
  • Keine KuG-Reduzierung, wenn das Nebeneinkommen niedrig ist
  • Einkommensgrenze: Wenn das Nebeneinkommen die normale Nettovergütung überschreitet, wird das KuG neu berechnet
  • Steuerwirkung: Nebeneinkommen muss zur Steuerberechnung gemeldet werden
  • Branchenbeschränkung: Arbeitnehmer dürfen in sensiblen Rollen nicht für Konkurrenten arbeiten

Beispiel: Ein Arbeitnehmer, der normalerweise 2.500 € netto verdient, erhält 750 € KuG. Wenn er während der Kurzarbeit 400 € aus Nebenbeschäftigung verdient, gibt es keine KuG-Reduzierung. Wenn er 1.200 € verdient, kann das KuG reduziert werden.

Arbeitnehmerrechte während der Kurzarbeit

Kurzarbeit muss gerecht gehandhabt werden. Arbeitnehmer behalten erhebliche Rechte:

  • Recht auf schriftliche Benachrichtigung über Umsetzung und Dauer
  • Recht auf Verhandlung über den Betriebsrat (falls vorhanden)
  • Schutz vor diskriminierender Auswahl bei der Arbeitszeitreduzierung
  • Fortbestand des Arbeitsvertrags und Bestandsschutz
  • Recht auf Rückkehr zum Normalbetrieb, wenn sich die Nachfrage erholt
  • Recht, weitere Verlängerungen über die vereinbarten Bedingungen hinaus abzulehnen
  • Recht, mit Standardfrist zu kündigen (üblicherweise 4 Wochen)

Arbeitgeber können Kurzarbeit nicht nutzen, um Arbeitnehmerrechte zu umgehen. Zum Beispiel: Kurzarbeit hebt nicht die Pflicht auf, Krankheitstage, Urlaub oder Feiertagsboni im normalen Satz zu zahlen.

Kündigung während der Kurzarbeit: Besonderer Schutz

Die Kündigung eines Arbeitnehmers während der Kurzarbeit unterliegt erhöhter Skepsis. Deutsche Gerichte betrachten dies kritisch, wenn der Arbeitgeber Kurzarbeit eingeführt hat, dann aber denselben Arbeitnehmer entlässt.

  • Vermutung gegen Kündigung: Wenn der Arbeitgeber behauptet, Kurzarbeit sei nötig gewesen, und dann einen Arbeitnehmer entlässt, hinterfragen Gerichte die Legitimität
  • Eigenständige Gründe erforderlich: Die Kündigung muss aus anderen Gründen erfolgen (Fehlverhalten, Redundanz), nicht wegen der Kurzarbeit
  • Kündigungsfrist: Standardfristen gelten weiterhin (variiert je nach Vertrag)
  • Abfindung: Eine Kündigung während der Kurzarbeit kann Abfindungspflichten auslösen, wenn eine Kündigungsschutzklage entsteht
  • Betriebsrats-Veto: Der Betriebsrat kann Kündigungen während der Kurzarbeit in einigen Fällen blockieren

Schritt-für-Schritt-Beantragungsprozess

Hier ist ein praktischer Zeitplan zur Umsetzung von Kurzarbeit:

  • Woche 1: Geschäftssituation bewerten; erheblichen Arbeitsausfall bestätigen; Unterlagen sammeln
  • Woche 2-3: Betriebsvereinbarung mit dem Betriebsrat verhandeln (oder Einzelzustimmung einholen)
  • Woche 4: Anzeige bei der örtlichen Arbeitsagentur einreichen
  • Wochen 5-6: Auf Bestätigung der Agentur warten (selten abgelehnt, wenn gut dokumentiert)
  • Woche 7: Einrichtung der Lohnabrechnung abschließen; neue Stunden und KuG-Berechnungen dokumentieren
  • Monat 1: Kurzarbeit umsetzen; reduzierte Löhne + KuG-Vorschuss zahlen
  • Monat 1+: Monatliche Abstimmungsberichte bei der Agentur einreichen
  • Monate 2+: KuG-Erstattung für den Vormonat erhalten

Dokumentationsanforderungen: Was aufbewahrt werden muss

Die Arbeitsagentur wird die Konformität überprüfen. Korrekte Dokumentation ist unverzichtbar:

  • Original-Anzeige-Formular und Agentur-Bestätigung
  • Betriebsvereinbarung oder Einzelzustimmungsformulare (von Arbeitnehmern unterzeichnet)
  • Protokolle von Betriebsratssitzungen (falls zutreffend)
  • Monatliche Stundenzettel mit den reduzierten Ist-Stunden
  • Lohnabrechnungen, die KuG-Zahlungen zeigen
  • Kontoauszüge, die zeigen, dass KuG-Vorschüsse gezahlt wurden
  • Korrespondenz mit Arbeitsagentur
  • Geschäftsdokumentation, die den erheblichen Arbeitsausfall belegt (Aufträge, Verträge usw.)

Bewahre alle Unterlagen mindestens 3 Jahre nach Ende der Kurzarbeit auf. Die Agentur kann rückwirkend prüfen.

Häufige Fehler und wie man sie vermeidet

  • Fehler 1: Kurzarbeit ohne Anzeige bei der Agentur umsetzen → Agentur verweigert Erstattung
  • Fehler 2: Keine schriftliche Betriebsvereinbarung oder Zustimmung → Risiko einer Kündigungsschutzklage
  • Fehler 3: KuG falsch berechnen (Brutto- statt Nettobetrag) → Überzahlung, die nicht rückgängig zu machen ist
  • Fehler 4: KuG nicht an Arbeitnehmer vorstrecken → Lohnstreitigkeiten
  • Fehler 5: Tatsächliche Stunden nicht erfassen → Legitimität der Kurzarbeit kann nicht belegt werden
  • Fehler 6: Nebenbeschäftigung während der Kurzarbeit ablehnen → Verletzt Arbeitnehmerrechte
  • Fehler 7: Monatliche Abstimmung nicht einreichen → Verzögerung der Erstattung

Regeländerungen nach COVID und aktueller Rahmen

Die COVID-19-Pandemie erweiterte vorübergehend die Kurzarbeit-Leistungen (verlängerte Dauer, reduzierte Sozialbeiträge). Die meisten temporären Maßnahmen sind abgelaufen. Der aktuelle Rahmen (ab 2026) kehrt zu den Standardregeln zurück:

  • Standarddauer von 12 Monaten gilt (keine automatische Verlängerung)
  • KuG-Satz 60 % für die meisten Arbeitnehmer (67 % für solche mit Kindern)
  • Sozialversicherungsbeiträge: Arbeitgeber zahlen die Normalsätze (Krisenreduktion ist abgelaufen)
  • Unterstützung bei Sozialbeiträgen: Begrenzte Programme für bestimmte Sektoren verfügbar
  • Haltung der Agentur: Mehr Skepsis bei der Legitimität von Kurzarbeit (die breite Akzeptanz der COVID-Ära ist beendet)

Arbeitgeber sollten sich nicht auf Pandemie-Flexibilität verlassen. Aktuelle Anwendungen erfordern solide Dokumentation und echte wirtschaftliche Schwierigkeiten.

Kurzarbeit beenden: Zurück zum Normalbetrieb

Wenn sich die Nachfrage erholt und die Kurzarbeit endet, ist ein sorgfältiger Übergang nötig:

  • Arbeitnehmer benachrichtigen: Teile den Arbeitnehmern das Enddatum und die Rückkehr zu den Stunden des Normalbetriebs mit
  • Abschließende Abstimmung: Reiche den finalen Monatsbericht bei der Agentur ein
  • Rückkehr zur Standard-Lohnabrechnung: Nimm die Normallohn-Berechnungen ohne KuG wieder auf
  • Sozialversicherungsbeiträge: Führe die normalen Beiträge fort (die ohnehin bereits während der Kurzarbeit gezahlt wurden)
  • Kommunikation: Danke den Arbeitnehmern für ihre Flexibilität; erläutere den Erholungsprozess
  • Stufenweiser Ausstieg: Manche Arbeitgeber kehren stufenweise zurück (60 % → 80 % → 100 %) über Wochen

Fazit: Kurzarbeit als strategisches Krisenmanagement

Kurzarbeit ist ein mächtiges Werkzeug zum Management vorübergehender wirtschaftlicher Schwierigkeiten bei gleichzeitigem Erhalt der Beschäftigung. Der Erfolg erfordert das Verständnis der rechtlichen Voraussetzungen, korrekter Antragsverfahren, korrekter KuG-Berechnungen und sorgfältiger Dokumentation. Arbeitgeber, die Kurzarbeit gut steuern, bewahren Arbeitnehmerbeziehungen, erhalten institutionelles Wissen und positionieren sich für eine schnelle Erholung. Fehler — besonders das Versäumnis, die Agentur zu benachrichtigen oder die korrekte Zustimmung einzuholen — können zu verweigerter Erstattung und Kündigungsschutzklagen führen. Für Betriebe, die vorübergehende Schwierigkeiten bewältigen, ist es ratsam, vor der Umsetzung von Kurzarbeit einen Fachanwalt für Arbeitsrecht oder einen HR-Spezialisten zu konsultieren, um die Konformität zu sichern und die Vorteile des Programms zu maximieren.

Hinweis: Finance Stacks ist keine Finanzberatung. Alle Inhalte dienen ausschließlich Informationszwecken und ersetzen keine professionelle Beratung durch einen Steuerberater, Wirtschaftsprüfer oder Finanzberater.