Gewerbemietvertrag: Kuendigungsfristen, Nebenkosten und Verhandlungstipps
Vollstaendiger Leitfaden zum Gewerbemietvertrag: Kuendigungsfristen nach §580a BGB, Sechsmonatige Kuendigungsfrist, automatische Verlaengerung, Nebenkosten-Streitigkeiten, Indexmiete, Versicherung, Kaution, Retail-Besonderheiten und praktische Verhandlungstipps.
Der Gewerbemietvertrag ist einer der wichtigsten Vertraege fuer Unternehmen, die Bueroraum, Einzelhandelsflaechne oder Lagerhaltungsflaechen mieten. Anders als Wohnmietvertraege sind Gewerbemietvertraege hochgradig verhandelbar und viele Klauseln sind nicht durch Gesetz festgelegt. Dies eroeffnet Spielraum fuer Verhandlung – aber auch fuer Fallstricke. Dieser Leitfaden zeigt Dir die kritischsten Punkte: Kuendigungsfristen, Nebenkosten-Fallstricke, Versicherung und praktische Verhandlungstipps.
Rechtlicher Rahmen: Gewerbemietvertrag vs. Wohnmietvertrag
Gewerbemietvertraege werden grundsaetzlich nach dem BGB (Buegerliches Gesetzbuch) geregelt, aber nicht durch die umfassenden Schutzbestimmungen des Wohnmietrechts. Das bedeutet:
- Vermieter und Mieter haben mehr Verhandlungsfreiheit
- Viele Klauseln des Wohnmietrechts (z.B. Mietpreisbremse) gelten nicht
- Der Vermieter kann haeufig strengere Bedingungen stellen
- Der Mieter kann aber auch mehr Bedingungen verhandeln (z.B. Verbesserungen, Befreiung von Kosten)
- Gewerbliche Mieter werden oft als Vertragsparteien mit gleicher Verhandlungskraft behandelt
Dies ist das kritischste Merkmal: Im Gegensatz zu Wohnmietvertraegen koennen Gewerbemietvertraege nahezu jede Klausel enthalten, wenn beide Parteien sie akzeptieren. Das eroeffnet Chancen – und Risiken.
§580a BGB: Die gesetzliche Kuendigungsfrist
Der wichtigste Teil des BGB fuer Gewerbemietvertraege ist §580a BGB, der die Mindestkundigungsfrist festlegt.
Die Sechsmonatige Kuendigungsfrist
Kernregel: Gewerbemietvertraege koennen mit einer Kuendigungsfrist von mindestens 6 Monaten zum Ende eines Kalenderjahres gekuendigt werden. Das bedeutet konkret:
- Wenn Du am 15. Januar kuendigst, endet das Mietverbaeltnis fruehestens am 30. Juni desselben Jahres
- Wenn Du am 1. Juli kuendigst, endet das Mietverbaeltnis fruehestens am 31. Dezember desselben Jahres
- Du kannst nicht sofort kuendigen – es muss die 6-Monatsfrist eingehalten werden
Diese 6-Monatsfrist ist die gesetzliche Mindestfrist. Der Vertrag kann laengere Fristen festlegen. Viele Vermieter fordern 9, 12 oder sogar 24 Monate – dies ist verhandelbar!
Vertragsabweichungen: Laengere Kuendigungsfristen
Anders als beim Wohnmietrecht koennen Gewerbemietvertraege laengere Kuendigungsfristen festlegen, solange diese nicht unangemessen lange sind (eine Art "Unverhaeltnismaessig" Klausel). Typische Abweichungen:
- Zweijaehrige Kuendigungsfrist: Haeufig bei langfristigen Vermieter-Mieter-Beziehungen
- Unterschiedliche Fristen fuer Vermieter und Mieter: Vermieter oft 6 Monate, Mieter 12 Monate (einseitig, daher kritisch zu verhandeln)
- Bedingte Fristen: z.B. nur bei Nicht-Erneuerung des Mietvertrages kuendbar
Warnung: Achte darauf, dass die Kuendigungsfrist symmetrisch ist (beide Seiten haben die gleiche Frist). Asymmetrische Fristen beduenftigen sorgfaeltiger Abwaegung.
Automatische Verlaengerung und Erneuerungsklauseln
Ein grosses Risiko bei Gewerbemietvertraegen: die automatische Verlaengerung. Viele Vertraege enthalten eine Klausel wie:
"Der Mietvertrag verlaengert sich um [1 Jahr / 2 Jahre], wenn nicht mindestens 3 Monate vor Ablauf gekuendigt wird."
Dies ist ein klassischer Fallstrick. Wenn Du nicht rechtzeitig kuendigst, bindest Du Dich fuer weitere Jahre. Dies ist besonders tueeckisch, da die Kuendigungsfrist oft laenger als die normale Mietfrist ist.
Beispiel: Automatische Verlaengerung in der Praxis
Mietvertrag: 5 Jahre, automatische Verlaengerung um 3 Jahre, Kuendigungsfrist 3 Monate vor Ablauf.
- Vertragsstart: 1. Januar 2024
- Vertragsende (ohne Kuendigung): 31. Dezember 2028
- Kuendigungsfrist: 3 Monate vor dem 31. Dezember 2028 = bis 30. September 2028
- Wenn Du am 1. Oktober 2028 kuendigst, ist es ZU SPAET – der Vertrag verlaengert sich um 3 weitere Jahre bis 31. Dezember 2031
Kritischer Punkt: Viele KMU verpassen diese Fristen, weil sie im Tagesgeschaeft nicht aufpassen. Du muesstest einen Kalender-Alarm 6 Monate vorher setzen.
Verhandlungstipp: Automatische Verlaengerung minimieren
- Versuche, automatische Verlaengerung zu streichen: Manche Vermieter akzeptieren, die Klausel ganz zu entfernen
- Wenn unvermeidlich, setze die Frist auf 6 Monate: Dies gibt Dir mehr Spielraum
- Schreibe es deutlich auf: Der Vermieter sollte eine schriftliche Bestätigung 1 Jahr vor Vertragsablauf senden, um Missverstaendnisse zu vermeiden
- Verhandele Verlaengerungsbedingungen: z.B. Mietpreis wird NICHT erhoeht, wenn 3 Jahre vorher nicht informiert
Nebenkosten: Der groesste Konfliktpunkt
Nebenkosten sind ein Minenfeld. Viele Gewerbemietvertraege legen eine pauschale "Nebenkostenregelung" fest, aber die Definitionen sind oft vague und fuehren zu spaeterer Klaerung. Dies ist einer der haeufigsten Streitpunkte.
Was sind "Nebenkosten"?
Typische Nebenkosten in einem Gewerbemietvertrag:
- Grundsteuer: Auf die Immobilie
- Gebuehren fuer Wasser, Abwasser, Muell: Verbrauchsabhaengig
- Heizung und Warmwasser: Verbrauchsabhaengig oder pauschal
- Strom fuer gemeinschaftliche Flaechen: Treppen, Flur, Parkplatz
- Gebaeude- und Haftpflichtversicherung: Des Vermieters (zum Teil umgelegt)
- Instandhaltung und Reparatur: Gemeinschaftliche Flaechen
- Hausmeister und Reinigung: Gemeinschaftliche Flaechen
- Schneeraemung und Winterdienst: (in der Regel)
Pauschale Nebenkosten vs. Kostenerstattung
Es gibt zwei Ansaetze:
| Modell | Definition | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|
| Pauschal | Feste monatliche Summe | Vorhersehbar, keine Ueberraschungen | Kann viel zu hoch sein, wenn Verbrauch niedrig |
| Kostenerstattung | Vermieter umlegt echte Kosten basierend auf Jahresabrechnung | Gerecht, kostenbasiert | Jedes Jahr Aenderungen, Streitigkeiten ueber Kostenaufteilung |
Empfehlung: Wenn Du Pauschalenkosten verhandelst, fordere eine detaillierte Aufstellung (Heizung 200 EUR, Reinigung 50 EUR, Wasser 30 EUR, etc.). Dies verhindert spaetere Konflikte.
Fallstrick: Unklare Definition von "Nebenkosten"
Viele Vertraege sagen: "Der Mieter zahlt pauschal 150 EUR/Monat fuer Nebenkosten" – ohne zu definieren, was darin enthalten ist. Dies fuehrt zu Problemen:
- Der Vermieter erhebt spaeter zusaetzliche Kosten (z.B. plötzliche Reparatur, Dachsanierung)
- Der Mieter ist verwirrt, ob dies in der Pauschale enthalten ist
- Jahresabrechnung zeigt hoehere Kosten als erwartet
Loesung: Fordern Sie eine detaillierte Aufstellung aller Nebenkosten im Vertrag. Z.B.: "Nebenkosten umfassen: Heizung (max. 200 EUR/Monat), Wasser/Abwasser (max. 50 EUR/Monat), Reinigung gemeinschaftliche Flaechen (max. 40 EUR/Monat), Versicherung (max. 30 EUR/Monat). Alle anderen Kosten traegt der Vermieter."
Indexmiete: Mietpreis-Anpassungen
Ein weiterer kritischer Punkt: Wie wird die Miete im Laufe der Zeit angepasst? Es gibt mehrere Modelle:
1. Keine Anpassung (Flat Rate)
Die Miete bleibt gleich, egal wie lange der Vertrag laeuft. Vorteil: Maximale Vorhersehbarkeit. Nachteil: Bei langen Vertraegen (5+ Jahre) wird dies fuer den Vermieter unrentabel – er wird daher kurze Laufzeiten oder hohe Anfangsmieten fordern.
2. Staffelmiete
Die Miete erhoht sich nach einer festgelegten Staffel. Z.B.: "Jahr 1-2: 2.000 EUR/Monat, Jahr 3-4: 2.200 EUR/Monat, Jahr 5: 2.400 EUR/Monat"
Vorteil: Vorhersehbar, beide Seiten kennen die Erhoehung. Nachteil: Kann spaeter unter dem Marktmietpreis liegen oder darueberraus.
3. Indexmiete (an Lebenshaltungskosten gebunden)
Die Miete wird jaehrlich an die Verbraucherpreisindex (VPI) oder Inflation angepasst. Z.B.: "Miete wird am 1. Januar jeden Jahres um den Satz der Inflation (gemäß VPI, Basis 2015) erhoht."
Dies ist marktgerecht, da es dem Vermieter hilft, die Inflation auszugleichen, gibt dem Mieter aber Sicherheit, dass die Erhoehung begrenzt bleibt.
4. Marktmiete-Revision (Marktrente)
Nach einer bestimmten Zeit (z.B. alle 5 Jahre) wird die Miete auf die "aktuelle Marktmiete" angepasst. Dies ist die riskanteste Variante fuer den Mieter, da die Marktmiete stark erhoehen kann. Vermieter moegen dies, aber es wird selten akzeptiert.
Verhandlungstipp: Indexmiete negotiieren
- Fordern Sie Staffelmiete statt Marktmiete-Revision: Das ist verlässlicher
- Wenn Indexmiete unvermeidlich, limitiere sie: Z.B. "max. 3% Erhoehung pro Jahr"
- Verhandle eine Mietpreisgarantie: "Keine Erhoehung in Jahr 1-2, dann Index mit max. 2% pro Jahr"
- Setze Revisionsfristen: Z.B. nicht jaehrlich, sondern alle 3 Jahre
Versicherung: Wer zahlt fuer den Brandfall?
Ein oft uebersehener Punkt: Versicherung. Der Gewerbemietvertrag muss klären, wer fuer Schäden haftbar ist.
Typische Versicherungsszenarien
- Grunwasser schadigung wegen Vermieters Verwaehrlossingung: Vermieter zahlt
- Mieter beschaedigt die Immobilie: Mieter zahlt
- Brand in der Kuechne des Mieters: Mieter zahlt fuer Reparaturen in seinem Bereich, Vermieter fuer Gebäudestruktur
- Vandalismusschaden in gemeinschaftlichen Flaechen: Meist Vermieter (ueber Gebaeudeversicherung)
Haftpflichtversicherung und Kaution
Der Vertrag sollte festhalten:
- Mieter zahlt Kaution (typischerweise 1-3 Monatsmieten)
- Kaution wird in voller Hoehe nach Mietende zurueckerstattet, wenn keine Schaeden
- Vermieter kann Kaution zur Deckung von Reparaturkosten nutzen
- Mieter muss eine Haftpflichtversicherung abschliessen (oft gefordert fuer gewerbliche Nutzung)
Kaution: Hoehe und Brueckstrecke
Die Kaution ist eine der wichtigsten Schutzpolitik des Vermieters. Der Betrag ist verhandelbar, aber Standard ist:
- 1-2 Monatsmieten: Fuer weniger risikoreiche Mieter oder kuerzere Vertraege
- 3 Monatsmieten: Fuer laengere Vertraege oder groessere Flaechen
- Mehr als 3: Nur in extremen Faellen (sehr risikoreiche Nutzung)
Verhandlungstipp: Fordern Sie, dass die Kaution nur fuer nachweisbare Schaeden genutzt wird, nicht fuer Mieten oder allgemeine Verschleisz. Viele Vermieter versuchen, die Kaution unrechtmaessig zu behalten.
Retail-spezifische Gewerbemietvertraege
Gewerbemietvertraege fuer Einzelhandelsflaechen (Einzelhandelsfilialen, Boutiquen, Restaurants) haben zusaetzliche Besonderheiten:
Zusaetzliche Kosten fuer Retail-Flaechen
- Maerketing und Werbekosten: Zentrum-Marketing, Shop-Front-Signage
- GeschaefsgebietS-Verwaltung: Purse-seine aus gemeinschaftlichen Shopping-Center-Gremien
- Reinigung und Dekoration: Nicht nur Flaechne, sondern auch Schaufenster
- Oefffnungszeiten-Vereinbarung: Pflicht, gewisse Stunden offen zu sein
Konkurrenznachteil-Klauseln (Non-Compete)
Viele Retail-Vermieter versuchen, Non-Compete Klauseln zu inserieren, die besagen: "Der Mieter darf nicht mit Konkurrenzproduken handeln." Z.B. ein Vermieter mit mehreren Restaurants moechte, dass keine zwei Restaurants die gleiche Kuechine anbieten.
Dies ist verhandelbar und oft zu Gunsten des Mieters zu limitieren. Nur wenn es wirklich einen marktschaedigenden Konkurrenz gibt, solltest Du zustimmen.
Subvermietung und Abtretung von Rechten
Was, wenn Du die Mietflaeche teilweise untervermieten moechtest? Dies ist ein wichtiger Punkt:
- Verbot der Subvermietung: Manche Vertraege verbieten Subvermietung ganz (streng, schlecht fuer Mieter)
- Genehmigung erforderlich: Der Vermieter kann Subvermietung genehmigen oder ablehnen (mit oder ohne Begruendung)
- Erlaubt mit Benachrichtigung: Der Mieter kann untervermieten, muss den Vermieter aber informieren
- Profitbeteiligung: Der Vermieter kann eine % der Submiete erhalten
Verhandlungstipp: Versuche, Subvermietung zu erlauben (zumindest teilweise). Dies gibt Dir Flexibilitaet, wenn Dein Geschaeft schrumpft oder sich aendert.
Instandhaltung und Reparaturverantwortung
Ein kritischer Punkt, der oft zu Konflikten fuehrt: Wer bezahlt fuer Reparaturen?
Klassifizierung von Reparaturen
- Grossmietverplaenge: Gebäudestruktur (Dach, Wände, Fundament) – immer Vermieter
- Installationen: Elektrische Leitungen, Wasserleitungen, Heizung – oft Vermieter, aber teilweise Mieter fuer seinen Bereich
- Innenaustattung: Maeler, Tapeten, Bodenbelaege im Mietbereich – Mieter (bei Verschleisz)
- Mieter-installierte Systeme: Sicherheitssysteme, spezielle Kuechengeraete – Mieter
Das Gewerbemietrecht ist hier nicht so streng wie Wohnmietrecht. Viele Vermieter versuchen, Mieter in die Pflicht fuer groessere Reparaturen zu nehmen. Dies ist verhandelbar.
Verhandlungstipp: Reparaturverpflichtung limitieren
- Versuche, Reparaturen unter 500 EUR selbst zu zahlen, alles darueber Vermieter
- Oder: Mieter zahlt nur fuer Reparaturen aufgrund schuldigen Verhaltens (nicht Verschleisz)
- Definiere genau: "Der Vermieter ist verantwortlich fuer Struktur, Heizung, Wasserleitungen. Der Mieter ist verantwortlich fuer Verschleisz in seinem Miettbereich."
Verhandlungstipps und Best Practices
Tipp 1: Kenne den Markt
Vor Verhandlungen, recherchiere Marktmieten fuer aehnliche Flaechen in der Gegend. Nutze Immobilienportale (Immoscout24, Makler-Aussagen). Dies gibt Dir Verhandlungspower.
Tipp 2: Hole eine Anwalt ein
Fuer Vertraege laenger als 3 Jahre oder Mieten > 5.000 EUR/Monat, lasse einen Anwalt den Vertrag ueberpruefen. Die Kosten (500-1.500 EUR) zahlen sich durch bessere Bedingungen aus.
Tipp 3: Priorisiere Deine Anforderungen
Du kannst nicht alles verhandeln. Entscheide, welche Punkte Dir am wichtigsten sind: Kuendigungsfrist? Mietpreis? Nebenkosten? Konzentriere Dich auf diese.
Tipp 4: Schriftlich festhalten
Alle Vereinbarungen muessen schriftlich sein. Muendliche Zusagen des Vermieters (z.B. "Ich zahle die Renovierung") sind nicht bindend. Fordern Sie schriftliche Bestaetigte in dem Mietvertrag oder einem Nachtrag.
Tipp 5: Detailliere Ihre Anforderungen im Vertrag
Nicht nur "der Mieter zahlt Nebenkosten", sondern: "Der Mieter zahlt monatlich 150 EUR fuer Nebenkosten, bestehend aus: Heizung (80 EUR), Wasser (40 EUR), Versicherung (30 EUR). Keine zusaetzlichen Kosten ohne schriftliche Benachrichtigung und Begruendung."
Tipp 6: Baue eine Klausel fuer "Unvorhergesehene Kosten" ein
Was, wenn eine grosse Reparatur noetig wird (z.B. Dachreparatur)? Der Vertrag sollte sagen: "Der Mieter zahlt Anteile an Kosten > 2.000 EUR, wenn diese den gesamten Betrieb betreffen (z.B. Dach, Fassade). Kostenaufteilung ist proportional zur Flaeche."
Tipp 7: Setzen Sie Review-Punkte
Nach einigen Jahren (z.B. Jahr 3 oder 5) sollte der Vertrag einen "Review Punkt" haben, wo beide Seiten sich absprechen. Dies erlaubt Anpassungen, ohne den gesamten Vertrag neuverhandeln zu muessen.
Tipp 8: Investitionen im Vertrag regeln
Wenn Du in der Flaeche investieren willst (z.B. Renovierung, neue Kueche, Beleuchtungssystem), muss der Vertrag klären: Wer zahlt? Kann der Mieter das bei Vertragsende mitnehmen? Oder bleibt es fuer den Vermieter?
Kuendigung eines Gewerbemietvertrages: Schritt fuer Schritt
Schritt 1: Pruefen Sie die Kuendigungsfrist
Schau in den Vertrag und finde die genaue Kuendigungsfrist. Nicht die gesetzliche 6-Monatsfrist annehmen – der Vertrag kann laenger sein. Merke Dir: Zum Ende eines Kalenderjahres (31. Dezember).
Schritt 2: Kalender-Alarm setzen
Setze eine Erinnerung 6 Monate VOR der Kuendigungsfrist. Z.B. wenn Deine Kuendigungsfrist 6 Monate ist und Du zum 31. Dezember kuendigen moechtest, muss Deine Kuendigung bis 30. Juni eingehen. Setze den Alarm auf 31. Maerz!
Schritt 3: Schreib eine formelle Kuendigung
Nicht muendlich kuendigen, nicht per Email. Schreib einen formellen Brief mit:
- Dein Name und Adresse
- "Hiermit kuendige ich den Mietvertrag fuer [Adresse der Flaeche] zum [Datum]"
- Mietvertragsnummer (wenn vorhanden)
- Unterschrift (handschriftlich oder digital zertifiziert)
Sende dies per Einschreiben oder notarieller Beglaubigung. Das ist die einzige verlaessliche Methode.
Schritt 4: Aufbewahrung des Beweises
Behalte die Bestaetiugung des Einschreibens oder notariellen Beglaubigung. Dies ist Dein Beweis, dass die Kuendigung rechtzeitig eingegangen ist.
Uebergabe der Flaeche: Was ist wichtig?
Wenn Dein Mietvertrag endet, musst Du die Flaeche zurueckgeben. Der Vertrag sollte regeln:
- Zustand bei Uebergabe: Muss die Flaeche "besen-sauber" sein? Neu gestrichen?
- Inspektionsprozess: Vermieter und Mieter begutachten gemeinsam
- Dokumentation: Fotos und Protokoll der Uebergabe
- Kautions-Rueckgabe: Innerhalb 30-60 Tagen
- Offene Fragen: Was, wenn der Vermieter Reparaturkosten abziehen moechte?
Best Practice: Mache eine schriftliche Uebergabe-Checkliste und lass den Vermieter unterschreiben, dass die Flaeche in gutem Zustand ist. Dies verhindert spaetere Reparaturansprueche.
Fallstricke und haeufige Fehler
Fehler 1: Verpasste Kuendigungsfrist
Das haeufigste Problem. Du kuendigst zu spaet und bindest Dich fuer weitere Jahre. Loesung: Kalender-Alarm 6 Monate vorher.
Fehler 2: Nebenkosten unklar
Der Vermieter verlangt unerwartete Kosten. Loesung: Detaillierte schriftliche Aufstellung aller Nebenkosten im Vertrag.
Fehler 3: Keine Anwaltskonsultation
Du unterzeichnest einen schlechten Vertrag. Loesung: Fuer groesse Vertraege, hole einen Anwalt ein.
Fehler 4: Muendliche Vereinbarungen
Der Vermieter verspricht Renovierung muendlich, macht es aber nicht. Loesung: Alles schriftlich in dem Vertrag oder Nachtraeg.
Fehler 5: Keine Dokumentation bei Uebergabe
Du verlierst Deine Kaution, weil der Vermieter Reparaturen verlangt. Loesung: Fotos und schriftliches Uebergabe-Protokoll.
Tools und Ressourcen fuer Gewerbemietvertraege
- IVD (Immobilienverband): Veroeffentlicht Standard-Gewerbemietvertraege
- Notare: Koennen Vertraege beglaubigen und Aenderungen dokumentieren
- Rechtsanwaelte fuer Mietrecht: Spezialisiert auf Gewerbemietvertraege
- Makler: Oft haben Makler Standard-Vertragsvorlagen
- Online-Tools: DocuSign, Jotform fuer digitale Unterzeichnung
Verhandlung mit dem Vermieter: Praktische Schritte
Wie verhandelt man konkret mit einem Vermieter? Hier ist ein praktischer Plan:
- Schritt 1: Hole den Vertragsentwurf. Durchlese ihn gruendlich.
- Schritt 2: Erstelle eine Liste von Aenderungen, die Du moechtest (in Prioritaet-Reihenfolge).
- Schritt 3: Schreib eine E-Mail zum Vermieter (oder dessen Makler): "Ich habe den Entwurf gepruefen. Ich habe einige Anmerkungen fuer Verbesserungen. Koennen wir ein Gesprach vereinbaren?"
- Schritt 4: Im Gesprach, praese Deine Top 3 Punkte. Sei hoeflich, aber bestimmt.
- Schritt 5: Vermieter wird wahrscheinlich ablaehnen. Verhandelt weiter. Kompromisse sind normal (z.B. "Ich gebe bei Mietpreis nach, aber ich brauche bessere Kuendigungsbedingungen").
- Schritt 6: Wenn einig, schreib einen schriftlichen Nachtrag oder Aenderung zum Vertrag. Lass beide Seiten unterschreiben.
Fazit: Der Gewerbemietvertrag ist kein Standardformular
Der groesste Fehler, den Unternehmer machen, ist, einen Gewerbemietvertrag wie ein nicht-verhandelbares Dokument zu behandeln. Das ist falsch. Gewerbemietvertraege sind hoch verhandelbar. Mit den richtigen Wissen und ein wenig Durchhaltevermoegen kannst Du deutlich bessere Bedingungen sichern: kuerzere Kuendigungsfristen, klarere Nebenkosten-Definitionen, Nebenkosten-Limer, bessere Instandhaltungs-Vereinbarungen. Der Schluessel ist, die Fallstricke zu kennen und proaktiv zu verhandeln – nicht zu warten, bis Probleme entstehen.
Kritische Checkliste fuer Gewerbemietvertraege
Vor Unterzeichnung pruefen Sie: 1) Kuendigungsfrist deutlich verstanden? 2) Automatische Verlaengerung klauseln? (Setzen Sie Alarme!) 3) Nebenkosten deutlich definiert? 4) Indexmiete oder andere Erhoehungsmechanismen annehmbar? 5) Reparaturverantwortung klar? 6) Kaution in angemessener Hoehe? 7) Versicherungspflichten deklariert? 8) Subvermietung erlaubt? 9) Uebergabe-Prozess beschrieben? 10) Wichtige Punkte schriftlich?
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